Bush-Regierung : Cheney gesteht Fehleinschätzung im Irak ein

US-Vizepräsident Dick Cheney übt sich in Selbstkritik. Er habe die Lage im Irak 2005 viel zu optimistisch beurteilt. Der oft als Strippenzieher im Weißen Haus gescholtene Republikaner ist neuerdings offenbar um seinen Ruf bemüht.

Laszlo Trankovits[dpa]
Dick Cheney
Selbstkritischer Falke: US-Vizepräsident Dick Cheney. -Foto: dpa

Washington"Wir werden hier am 20. Januar 2009 hoch erhobenen Hauptes und im Bewusstsein herausgehen, unser Bestmögliches für unser Land getan zu haben", meinte fast trotzig US-Vizepräsident Dick Cheney mit Blick auf das Ende seiner Amtszeit und der von US- Präsident George W. Bush. Der seit Jahren eher öffentlichkeitsscheue Cheney ist seit kurzem in die Offensive gegangen - sogar mit selbstkritischen Äußerungen und dem Eingeständnis, die Lage im Irak 2005 viel zu optimistisch beurteilt zu haben.

Denn obwohl der herzkranke Cheney, wie jetzt in einem Interview des CNN-Talkmasters Larry King, betont, Umfragen und Beliebtheit seien ihm egal ("Sonst hätte ich nicht in die Politik gedurft"), scheint ihm sein Ruf zunehmend unbehaglich. Er weiß, dass das öffentliche Ansehen des "mächtigsten und umstrittensten Vizepräsidenten" der US-Geschichte, so der Autor Stephen Hayes, verheerend schlecht ist. Cheney gilt Demokraten wie Publizisten seit langem als der wahre Strippenzieher im Weißen Haus, als Stimme der Öl- und Waffenindustrie sowie als der Gralshüter neokonservativer Ideologie. Auch sei er mit seinem ehemaligen Mentor, Ex-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, der eigentliche Autor der "Bush-Doktrin" über präventive, unilaterale Kriege sowie die Verbreitung von Demokratie in der Welt, um die USA und den Westen vor Islamismus und Terrorismus zu schützen.

Trotz der Beteuerung "der Präsident entscheidet, ich arbeite ihm nur zu" wird Cheney eine enorme Macht im Weißen Haus zugeschrieben. Der 66-jährige ehemalige Chef des Energiekonzerns Halliburton habe ein "weitgehend unhabhängiges Machtzentrum im Amt des Vizepräsidenten geschaffen, einen beispiellosen Versuch, Regierungspolitik zu gestalten und die politischen Optionen für den Präsidenten zu beschränken", schrieb der ehemalige US-Vizepräsident Walter Mondale in der "Washington Post". Er beschuldigte Cheney zudem, sich für seine Taten jeder Rechenschaft entziehen zu wollen.

Geheimniskrämer im Weißen Haus

Auch Hayes berichtet von der "Sucht" Cheneys, alles als "streng geheim" zu klassifizieren. Seit Jahren verweigere der Vizepräsident auch die Herausgabe von Dokumenten an zuständige Regierungsarchive, berichtete die "Washington Post" in einer aufsehenerregenden Artikel-Serie über Cheney. Der Vizepräsident habe keinen Respekt vor den Rechten der Öffentlichkeit und sei in seiner Geheimniskrämerei fast "manisch", so ein Kommentar in der "Chicago Tribune". Cheney fühle sich über den Gesetzen stehend.
Der Publizist Nicholas Kristof verglich Cheney in der "New York Times" sogar mit dem iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad. Beide bildeten eine "gefährliche Partnerschaft" auf dem Weg zu Eskalation und Krieg. "Beide Männer sind Falken, die die internationale Gemeinschaft herausfordern, die UN verhöhnen und zu Hause wegen ihrer Inkompetenz und Rücksichtslosigkeit unpopulär sind."

Auch die Vorwürfe an die USA wegen Folterungen richten sich oft gegen Cheney. Der betont zwar immer wieder, dass es keine Folter in amerikanischem Namen gebe, erlaubt seien lediglich "besondere Verhör- Techniken". Über Details könne er nicht reden. In einem früheren Interview aber hatte es der Republikaner als unproblematisch bezeichnet, wenn Verdächtige ins Wasser getaucht werden - wenn es darum gehe, Leben zu retten. Als die US-Öffentlichkeit empört reagierte, wies er entschieden zurück, dass er die berüchtigte Foltermethode des "Water-Boarding" gemeint habe.

Der wohl einflussreichste Berater von Bush in der Regierung weist zwar persönliche Eitelkeiten weit von sich. Tatsächlich kokettierte der etwas bullige Mann mit der Halbglatze, den Comedians gerne als bärbeißigen Haudegen karikieren, zuweilen selbst mit seinem finster-herben Image. Aber ganz offensichtlich ist Cheney inzwischen voller Zorn über sein düsteres Bild in der Öffentlichkeit und will es korrigieren - dabei muss er aber auch zugeben, dass die US-Politik insbesondere im Irakkrieg gravierende Fehler begangen hat.

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

0 Kommentare

Neuester Kommentar