Politik : Bush vor dem Kongress: US-Präsident droht den Taliban

US-Präsident George W. Bush hat in einer Rede vor dem Kongress in Washington die Staaten der Welt aufgerufen, sich gegen den Terrorismus an die Seite der USA zu stellen. Die afghanischen Taliban forderte er in ultimativer Form auf, Terroristenchef Osama bin Laden sofort auszuliefern. Insgesamt werde von nun an jedes Land, das Terroristen unterstütze, von den USA als "feindlich" eingestuft. An das US-Militär richtete Bush die Botschaft, "bereit zu sein". Der Bundesregierung liegt noch keine konkrete Bitte um Unterstützung vor. Regierungssprecher Bela Anda betonte aber, dass die Solidaritätszusicherung auch militärische Mittel einschließe. Laut Verteidigungsminister Rudolf Scharping kann der Nato-Bündnisfall "sehr kurzfristig" eintreten.

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Chronologie: Die Anschlagserie gegen die USA Begleitet wurde die Ansprache des Präsidenten am Donnerstagabend (Ortszeit) von einer bisher nur selten erlebten Demonstration der Solidarität im Kongress. Bush gab keine Einzelheiten über den geplanten Kampf gegen den Terror bekannt. Er kündigte jedoch an, dass dabei jede Art von Diplomatie, jedes "Instrument" der Strafverfolgung, jeder finanzielle Einfluss und jede nötige Kriegswaffe eingesetzt würde, um das internationale Terrornetzwerk zu zerstören. Die US-Antwort werde weitaus mehr als rasche Vergeltung und einzelne Schläge umfassen. Die Amerikaner müssten sich auf eine lang andauernde Aktion einrichten. Es könne dramatische Schläge "sichtbar auf dem Fernsehschirm" und "stille" Operationen geben, "geheim auch dann, wenn es einen Erfolg gibt".

Jede Nation müsse entscheiden: "Entweder sind Sie mit uns oder mit den Terroristen". Die Taliban forderte Bush auf, alle Führer von bin Ladens Al-Qaida-Terrororganisation auszuliefern, in Afghanistan festgehaltene Ausländer freizulassen und alle Terroristen-Ausbildungslager "für immer" zu schließen. Diese Forderungen seien nicht verhandelbar. "Die Taliban müssen sofort handeln", verlangte Bush. "Sie werden die Terroristen ausliefern oder ihr Schicksal teilen."

Das Taliban-Regime in Afghanistan wies Bushs Forderung nach einer Auslieferung bin Ladens postwendend zurück. Der Taliban-Botschafter in Pakistan, Abdul Salam Zaeef, erklärte, sein Land sei bereit, bin Laden vor Gericht zu stellen, wenn die USA Beweise gegen ihn vorbrächten. Ausliefern werde es ihn aber nicht. In Pakistan protestierten tausende Moslems gegen die USA und den pakistanischen Militärherrscher, General Pervez Musharraf. Bei gewalttätigen Zusammenstößen mit Polizei und Sicherheitskräften kamen mindestens vier Menschen ums Leben.

Die EU-Staats- und Regierungschefs sagten derweil den USA ihre Unterstützung für gezielte Schläge gegen den internationalen Terrorismus zu. "Ein amerikanischer Gegenschlag ist gerechtfertigt", sagte der belgische Regierungschef und amtierende EU-Ratspräsident Guy Verhofstadt am Freitagabend in Brüssel. Die Maßnahmen müssten aber angemessen sein, sagte Verhofstadt zu den Beschlüssen des EU-Sondergipfels. "Die Aktionen können auch gegen Staaten gerichtet sein, die Terroristen helfen, unterstützen und Unterschlupf gewähren", erklärte Verhofstadt.

Am Freitag setzte Bush seine Bemühungen um eine internationale Koalition fort, er traf sich mit dem chinesischen Außenminister Tang Jiaxuan. Russlands Präsident Putin signalisierte Bush unter Vorbehalten Zustimmung zu einem Vergeltungsangriff. Wichtig sei jedoch, dass diese Aktion abgestimmt sei und es Beweise dafür gebe, "wer hinter den Anschlägen steckt", sagte Putin der "Bild"-Zeitung. Nach einer Infratest-dimap-Umfrage sprechen sich 56 Prozent aller Berliner dafür aus, die Vereinigten Staaten auch militärisch zu unterstützen.

Die deutschen Behörden fahnden seit Freitag mit Haftbefehlen nach zwei Mitgliedern der mutmaßlichen islamistischen Terror-Zelle in Hamburg. Wie Generalbundesanwalt Kay Nehm in Karlsruhe mitteilte, wurden der jemenitische Staatsangehörige Binalshibh und der deutsche Staatsbürger Bahaji zur Festnahme ausgeschrieben. Den beiden Flüchtigen werden demnach tausendfacher Mord und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen. Der New Yorker Bürgermeister Rudolph Giuliani korrigierte die vermutliche Zahl der Toten im World Trade Center auf 6333 nach oben.

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