• Bushs neue Energie-Politik: Verwöhnte Autofahrer. Spritpreise in den USA vergleichsweise niedrig

Politik : Bushs neue Energie-Politik: Verwöhnte Autofahrer. Spritpreise in den USA vergleichsweise niedrig

Rita Neubauer

Zuerst waren es die Preiserhöhungen für Strom und Gas, die Carol Pikes monatliches Budget zu sprengen drohten, nun kletterte auch noch der Benzin-Preis auf über zwei Dollar für eine Gallone (vier Liter). "Alles wird teurer," jammert die Hausfrau im kalifornischen Palo Alto. Füllte Carol Pike ihren Minivan in Europa, würde sie etwa zwei Mal so viel zahlen, doch für die preisverwöhnten Autofahrer in den USA sind die derzeitigen Benzinpreise ein Schock. Vor allem in Kalifornien, wo die Preise rund 30 Cents über dem Landesdurchschnitt liegen.

An den Anstieg müssen sich die Autofahrer nicht nur gewöhnen, Experten schließen selbst Preise von mehr als 2,50 Dollar pro Gallone für diesen Sommer nicht aus. Der Grund: eine wachsende Nachfrage und Raffinerien, deren Produktionskapazitäten fast völlig ausgeschöpft sind. Schuld sind mehrere Faktoren: In den vergangenen Jahren manifestierte sich die Liebe der Nordamerikaner zu ihrem fahrenden Untersatz in immer geräumigeren, schwereren und möglichst vierradgetriebenen Allterrain-Wagen.

Das ist eine radikale Abkehr von den Zeiten nach der schweren Energiekrise in den 70er Jahren, als benzinsparende Wagen en vogue waren, und eine Überkapazität zu niedrigen Preisen führte. Dies hielt fast zwanzig Jahre an, und 1998 lag der Benzinpreis sogar 60 Prozent unter dem von 1981. Drei Jahre später liegt die Auslastung der Raffinerien jedoch erneut bei 96 Prozent, was wenig Spielraum im Falle eines Feuers oder Reparaturen lässt. Hinzu kommt, dass über Jahre der steigende Bedarf an Benzin nicht in Rechnung gestellt wurde. So kletterte die Nachfrage seit 1995 um elf Prozent, die Produktion jedoch nur um acht Prozent.

Auch wurden in den vergangenen 20 Jahren keine einzige neue Raffinerie gebaut. Kritiker machen für diesen Umstand die verschärften Umweltgesetze und die Ökologen verantwortlich, tatsächlich gab es jedoch bis vor fünf Jahren gar keinen Bedarf an neuen Raffinerien. Auch war das Raffinerie-Business selbst so wenig lukrativ, dass die größten Ölgesellschaften ihre Raffinerien lieber verkauften als neue bauten.

Da der Bau einer neuen Raffinerie mindestens fünf Jahre dauert, fallen Experten als kurzfristige Lösung des Dilemmas nur zwei Alternativen ein: eine freiwillige Reduzierung des Konsums und eine Rückkehr zu benzinsparenden Fahrzeugen.

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