Politik : „Business gegen häusliche Gewalt“ Frauenrechtlerinnen

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Ute Zauft

Berlin - Als ihr Chef sie das erste Mal auf ihre blauen Flecken ansprach, schwieg sie. Doch als ihr gewalttätiger Freund drohte, sie und ihr ungeborenes Kind umzubringen, bat sie ihn doch um Hilfe. „July hatte Glück, dass ihr Unternehmen für das Thema häusliche Gewalt sensibilisiert war“, sagt die britische Frauenrechtsaktivistin Deborah McIlveen. Sie hat in ihrer Heimat schon mehrere Unternehmen dazu gebracht, sich öffentlich gegen Gewalt an Frauen zu bekennen. Deutsche Unternehmen sollen nach dem Willen der Tübinger Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes folgen.

Eine Studie des Bundesfamilienministeriums belegt, dass mindestens jede vierte Frau in ihrem Leben körperliche Gewalt von ihrem männlichen Partner erfährt. Demnach sei die Gefahr, zu Hause Opfer von Gewalt zu werden, deutlich größer als durch Wohnungseinbruch oder Raub. „In Deutschland wird das Thema aber immer noch als Privatangelegenheit abgestempelt“, sagt Serap Altinisik von Terre des Femmes. Mit dem Projekt „Business gegen häusliche Gewalt“ will die Frauenrechtsorganisation ab heute, dem internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen, auf Betriebe zugehen. Die Gewalt in den eigenen vier Wänden sei auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten ein relevantes Thema, erklärt Altinisik. „US-Studien haben gezeigt, dass in den USA 25 Prozent der Arbeitsausfälle bei Frauen auf häusliche Gewalt zurückzuführen sind.“ Die Kosten für die deutsche Wirtschaft betragen nach einer Untersuchung des Niedersächsischen Sozialministeriums 14,8 Milliarden Euro pro Jahr.

Der Arbeitsplatz sei eine Möglichkeit, dem Druck des Täters zu Hause zu entkommen, sagt Frauenrechtlerin McIlveen. Entscheidend sei, dass die Arbeitgeber für das Problem sensibilisiert würden. In Großbritannien haben auf ihre Initiative hin Unternehmen wie The Body Shop, British Telecom, Vodafone und das internationale Beratungsunternehmen KPMG eine Selbstverpflichtungserklärung gegen häusliche Gewalt unterschrieben. McIlveen empfiehlt, das Führungspersonal zu schulen, auch heikle Themen anzusprechen. Die Ächtung von Gewalt müsse immer wieder thematisiert werden, zum Beispiel in firmeninternen Publikationen. „Unternehmen sollen nicht den Beraterjob von Frauenhäusern übernehmen, sondern sich als gesellschaftlicher Akteur positionieren“, sagt Altinisik von Terre des Femmes.Ute Zauft

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