Politik : …Cäsars Tage gezählt sind

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Dies fürs Geschichtsbuch. Vergessen wir nie: Er hat das Land damals aus dem Krieg rausgehalten. Er war nationalbewusster im Auftreten, als man es von seinen Vorgängern gewohnt war, das irritierte manche, aber er durfte das, denn er war im Grunde ein Linker, obwohl, das schwankte. Die kleinen Leute konnten sich auf ihn verlassen, soweit man sich überhaupt auf einen wie ihn verlassen kann. Als er die Regierung übernommen hat, befand sich das Land in einem Reformstau. Er hat nicht alles perfekt hinbekommen, aber jetzt, in der Rückschau, muss man zugeben: Das meiste war gar nicht so schlecht. Tatkraft hat er gehabt, ohne jeden Zweifel. Und der Sozialstaat wurde nicht demontiert, zum Ärger der Unternehmerverbände,

Das Volk wird ihn nicht vergessen. Gewiss, er war ein Populist, sagte heute dies, morgen jenes. Er hatte eben diese animalische Witterung für Stimmungen. Einer wie er glaubt, dass Wahlen im Grunde überflüssig sind, denn er spürt sowieso, was das Volk will, er ist das Fieberthermometer des Volkes, wozu dann noch Wahlen. Seine Partei interessierte ihn, wie einen ein Fahrzeug interessiert, auf dem man seinem Ziel entgegenfährt.

Schon zu Beginn seiner Karriere glaubte er zu wissen, dass er eines Tages das Land regieren wird. Man muss auch über seinen Stil der Machtausübung reden, dieses Virile, Brünftige. Für ihn war die Macht eine sexuelle Eroberung, so hat er sich jedenfalls aufgeführt, wenn er in seinem verschwitzten weißen Hemd auf irgendeinem Balkon stand und die Massen hochpeitschte, mit auffällig dunklem Haar noch in fortgeschrittenem Alter. Dann die relativ zahlreichen Ehen, und wie er seine beiden letzten Frauen jeweils zu einem Teil seiner Inszenierung macht, zuerst diese überhitzte, leidenschaftliche, die noch viel linker gewesen ist als er, später die dünne blonde, die cooler war.

Letztlich ist er daran gescheitert, dass er die Wirtschaftskrise nicht in den Griff bekommen hat, Massenarbeitslosigkeit, Staatsverschuldung. Er hat nur ein einziges Mal die Wiederwahl geschafft.

Das argentinische Militär hat Juan Domingo Perón mit einem Putsch aus dem Amt entfernt, ein im Südamerika der 50er Jahre übliches Verfahren des Regierungswechsels. „Bild“ vergleicht Gerhard Schröder mit Cäsar, aber Cäsar war Diktator und wurde umgebracht, das waren harte Zeiten für große Männer. Perón dagegen ging nach Spanien, beruhigte sich ein bisschen, aß viel Obst und kam als fast Achtzigjähriger tatsächlich ein zweites Mal ans Ruder, machthungrig und dunkelhaarig wie eh und je. Seine Frau wurde seine Nachfolgerin So macht man das. mrt

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