Politik : Camerons Pressechef stolpert über alte Abhöraffäre

London - Nach zwei Jahren Anschuldigungen und Kritik hat der Pressechef des britischen Premiers David Cameron das Handtuch geworfen – und in der konservativen Partei für Wirbel, bei einigen aber auch für Erleichterung gesorgt. Andy Coulson wurde beschuldigt, als Chefredakteur der Boulevardzeitung „News of the World“ von Lauschangriffen seiner Reporter auf Prominente wie Prinz Harry mehr gewusst zu haben, als er zugab. Vor zwei Jahren waren der Hofreporter des Blatts und ein Detektiv zu Gefängnisstrafen verurteilt worden. Coulson musste seinen Job abgeben. Doch der Skandal rumorte weiter.

„Die anhaltende Berichterstattung machte es mir schwer, die 110 Prozent zu geben, die dieser Job braucht“, sagte Coulson. Der Kommunikationschef hatte sich bei Cameron schon vor ein paar Tagen für den Schaden entschuldigt, den die Berichterstattung für den Premier verursachte, und seinen Rücktritt angeboten. Am Freitag war der richtige Zeitpunkt: Die Aufmerksamkeit der Medien war auf die Parlamentsanhörung des früheren Premiers Tony Blair zum Irakkrieg gerichtet. Überdies sorgte Labour-Schattenfinanzminister Alan Johnson mit seinem überraschenden Rücktritt für Wirbel. Coulson, Vertreter des rechten Tory-Flügels, stand in direkter Rivalität mit Camerons zweitem Berater, dem Chefstrategen Steve Hilton. Die Beziehungen der beiden sollen in den letzten Monaten gespannter geworden sein.

„Es ist das zweite Mal, dass Coulson wegen einer Sache zurücktreten muss, von der er angeblich gar nichts weiß“, so der Labour-Abgeordnete Tom Watson sarkastisch. Hinter dem Rücktritt stehen aber offenbar keine neuen Erkenntnisse im Zusammenhang mit den Lauschangriffen. Im Dezember hatte die britische Staatsanwalt erneut eine Anklageerhebung gegen Coulson wegen Mangels an Beweisen abgelehnt. Aber Scotland Yard ermittelt wieder, seit ehemalige Journalisten der „News of the World“ Beweise für eine „Kultur der Lauschangriffe“ in der Zeitung vorgelegt hatten. mth

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