Politik : Cap Anamur: Nur einer darf bleiben

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Rom Italien hat am Donnerstag 27 weitere vom Hilfsschiff Cap Anamur gerettete afrikanische Flüchtlinge abgeschoben. Bereits am Mittwoch waren fünf der insgesamt 37 Cap-Anamur-Flüchtlinge in ihre Heimatländer ausgeflogen worden. Von den fünf Afrikanern, die sich nun noch in Italien befinden, darf nur einer bleiben. Die Maschine der Ghana Airways sei am Morgen von Rom in Richtung Accra abgeflogen, berichtete die italienische Nachrichtenagentur ANSA. Vier der ursprünglich 31 Afrikaner an Bord seien im letzten Moment aus dem Flugzeug geholt und weggefahren worden, hieß es. Der Grund war zunächst unklar. Medienberichten zufolge mussten Sicherheitsbeamte eingreifen, weil sich mehrere Flüchtlinge gegen ihre Abschiebung wehrten. Die Maschine habe erst mit mehrstündiger Verspätung abheben können. Einige Demonstranten hätten lautstark gegen das Vorgehen der italienischen Behörden protestiert.

Insgesamt waren 37 Männer von der Cap Anamur südlich von Sizilien aus Seenot gerettet worden. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat nach Angaben von ANSA von der italienischen Regierung Aufklärung über das Vorgehen gegen die Cap-Anamur-Flüchtlinge verlangt. Auch das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR kritisierte die italienischen Behörden. Eine UNHCR-Vertreterin konnte nach eigenen Angaben die Afrikaner nicht besuchen. Die Asylgesuche der Afrikaner, die am Montag vergangener Woche nach tagelangem Tauziehen mit den italienischen Behörden in Sizilien an Land gehen durften, waren am vergangenen Wochenende abgelehnt worden. Nur einer von ihnen bekam die Erlaubnis, zumindest vorübergehend in Italien zu bleiben, weil er mit den Behörden zusammengearbeitet hatte. Bis auf ihn hatten zunächst alle angegeben, aus der sudanesischen Krisenprovinz Darfur geflüchtet zu sein. Die italienischen Behörden erklärten jedoch, die Männer kämen aus Nigeria, Niger und Ghana. dpa

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