Casdorffs Agenda : Deniz Yücel: 100 Tage Haft und keine Hilfe der Bundesregierung

Mit jedem Tag, den Yücel länger in Haft sitzt, sinkt das Vertrauen in die Bundesregierung, dass auf sie in der Not unbedingt Verlass ist.

von
Der Türkei-Korrespondent der "Welt", Deniz Yücel, aufgenommen am 21.07.2016 in Berlin während der ZDF-Talkshow "Maybrit Illner".
Der Türkei-Korrespondent der "Welt", Deniz Yücel, aufgenommen am 21.07.2016 in Berlin während der ZDF-Talkshow "Maybrit Illner".Foto: Karlheinz Schindler/dpa

100 Tage! Können Sie sich das vorstellen? 100 Tage in Haft, ohne Hoffnung, dass Sie so schnell wieder aus dem Gefängnis herauskommen. Und Deniz Yücel - um den geht es hier nämlich - trifft diese Hoffnungslosigkeit nicht allein. Viele journalistische Kolleginnen und Kollegen werden dergestalt drangsaliert. Sie leiden unter dem falschen Staatsverständnis in der Türkei.

Von einer Demokratie kann man beim Erdogan-Regime ja schwerlich sprechen, nicht wahr? Presse-, Meinungs- , Rundfunk-, Kunstfreiheit - alles Fremdworte für die Führung in Ankara. Nur dürften sie das nicht sein, wenn es doch eine weitere Annäherung an das EU-Europa geben soll.

Mit jedem Tag, den Yücel länger in Haft sitzt, sinkt das Vertrauen in die Bundesregierung, dass auf sie in der Not unbedingt Verlass ist. Hier haben wir die Freiheit, unser Büro zu verlassen und nach Hause zu den Liebsten zu fahren. Vielleicht mag sich der eine oder andere in der Bundesregierung vorstellen, wie es ist, wenn das unerreichbar erscheint.

Casdorffs Agenda erscheint jeden Morgen in der Morgenlage, dem Newsletter für Politik- und Wirtschaftsentscheider, den sie hier kostenlos abonnieren können.

» Mehr Politik? Jetzt Tagesspiegel lesen!

21 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben