Casdorffs Agenda : Der erste Schritt zur Freilassung Yücels ist getan

Die kritischen Interventionen in Richtung Türkei von Steinmeier und Gabriel waren schon sehr deutlich. Noch deutlicher könnte nur die Kanzlerin selbst werden.

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Demonstranten vor der Türkischen Botschaft in Berlin.
Demonstranten vor der Türkischen Botschaft in Berlin.Foto: dpa

Er ist jetzt 50 Tage in Haft, Deniz Yücel. Wer sagt, dass kritische Interventionen nicht doch ihren Sinn haben? Also, dass der neugewählte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in seiner ungewöhnlich direkten Ansprache als Erstes von Recep Tayyip Erdogan die Freilassung des Journalisten verlangt, war sicher eine solche Intervention. Vor allem, weil Steinmeier sie auch noch verbunden hat mit der Mahnung, das gemeinsam Erreichte nicht zu gefährden. Kein Außenminister hätte deutlicher werden können; obwohl Sigmar Gabriel schon deutlich war.

Nun ist die Freilassung von Yücel noch nicht erreicht. Aber der erste Schritt ist getan. Wenn die Türkei nicht weitere folgen lässt, gibt es immer noch die Möglichkeit, den Druck weiter zu erhöhen – durch die Bundeskanzlerin. Sie kann öffentlich dafür werben, der Türkei unter Erdogan die Grenzen aufzuzeigen: Bei der EU-Heranführung ist viel Geld im Spiel, auch als Nato-Partner ist Ankara auf Hilfe angewiesen. Und dann ist es doch so, dass Urlauber nicht zwingend in ein Land reisen, das die Menschenrechte missachtet. Man stelle sich nur vor, die Kanzlerin würde auch noch beim Thema Urlaub kritisch intervenieren!

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