Casdorffs Agenda : Die EU und ihr Problem mit der Glaubwürdigkeit

Nach dem Brexit ist vor dem Handeln: Jetzt muss die EU Versprechen einlösen. Zum Beispiel bei der Verringerung der Jugendarbeitslosigkeit. Ein Kommentar.

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In Frankreich wie auch in anderen EU-Staaten kommt es immer wieder zu heftigen Protesten - auch weil Jugendliche kaum Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt sehen.
In Frankreich wie auch in anderen EU-Staaten kommt es immer wieder zu heftigen Protesten - auch weil Jugendliche kaum Perspektiven...Foto: Philippe Lopez/AFP

Der Brexit - eine ganz praktische Angelegenheit. In jeder Hinsicht. Erstens muss sich die EU jetzt doch mal richtig reformieren, muss sich konzentrieren, zweitens kann sie Programme initiieren. Dringend nötige, hilfreiche. Denn die Jugendarbeitslosigkeit, von der auch schon Angela Merkel im Bundestag im Zusammenhang mit dem Brexit gesprochen hat, ist horrend: EU-weit im Durchschnitt 22 Prozent! Fünf Millionen Europäer unter 25 haben keinen Arbeitsplatz, in GB jeder Fünfte. Aber im Vertrag von Lissabon ist vor ewigen Zeiten anderes versprochen worden.

Also: Versprechen halten - aber wie? Milliarden ausgeben, nur diesmal nicht für Banken, sondern direkt für die Menschen. Damit alle Jungen bekommen, was ihnen zugesagt wurde: innerhalb von vier Monaten ein Job, eine Ausbildung oder zumindest ein Praktikumsplatz. Das wäre ein Gewinn an Glaubwürdigkeit. Und an Legitimation. Für die EU.

Woher das Geld kommen soll? Auch wieder aus gehaltenen Versprechen. Will sagen: Unternehmensbesteuerung harmonisieren, Steuerflucht effektiv bekämpfen, Kapitalmärkte neu regulieren. Um einen Zukunftsfonds zu schaffen, der sich sehen lassen kann: zwei Prozent der Wirtschaftsleistung, damit öffentliche und private innovative Projekte gefördert werden. Fordern Praktiker. So könnte er gelingen, der Exit aus dem Exitus der EU.

Einen guten Morgen wünscht
Ihr Stephan-Andreas Casdorff, Tagesspiegel-Chefredakteur

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