Casdorffs Agenda : Die SPD führt die Kanzlerin erneut vor

Mit der Abstimmung über die "Ehe für alle" zeigt sich, was für eine machtorientierte SPD längst möglich gewesen wäre: Eine Mehrheit im Bundestag jenseits der Union. Ein Kommentar.

Am Freitag stimmt der Bundestag über die "Ehe für alle" ab.
Am Freitag stimmt der Bundestag über die "Ehe für alle" ab.Foto: picture alliance / dpa

Ein schöner Satz von Christian Wulff über seine Parteifreundin Angela Merkel lautet, dass die Bundeskanzlerin wie eine gute Schäferin führe – von hinten. Das kann man wohl sagen. Merkel kommt immer hinterher, um dann zu erklären, warum hinten gerade vorne ist. Meistens glauben ihr die Leute ja auch, weil sie so vernünftig wirkt. So kann es jetzt wieder kommen, bei der „Ehe für alle“. Nur sicher ist das nicht.

Denn andererseits stellt die SPD die Kanzlerin, nach dem Motto: Gestern gesagt ist morgen gemacht. Da Merkel den Weg nicht verbaut, wie sie sagt, kann sie sich auch nicht gegen eine rasche Abstimmung im Bundestag sperren. Hier nun zeigt sich aber die taktische Falle, in die sie damit hineingerät. Also, konservativ ist das nicht mehr, weit entfernt, und das kann die Union Wähler kosten. Während die SPD sich, zwar spät, aber schließlich doch entschlossen, für gesellschaftliche Toleranz stark macht.

Sodann zeigt es, was für eine machtorientierte SPD längst möglich gewesen wäre: eine Mehrheit (im Bundestag) jenseits der Union. Außerdem hat die SPD die Kanzlerin und CDU-Chefin damit ein weiteres Mal – nach der Bundespräsidenten-Auswahl – vorgeführt. Das alles zusammengenommen kann Flügel verleihen. Und die braucht die SPD dringend auf ihrem Weg vom Boden der Tatsachen zur Bundestagswahl.

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