Casdorffs Agenda : Harmonie in der Politik ist keine Tugend

Noch acht Monate bis zu den Wahlen. Der Bürger, Wähler hat allerdings einen Anspruch darauf, genau zu erfahren, wofür einer oder eine die Macht haben oder behalten will.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz.Foto: dpa

Berauscht ist die SPD, von sich und den Umständen. Immer weiter nach oben scheint es sie zu tragen, immer mehr Umfragen zeigen, dass die Werte sich verstetigen. Die SPD auf einer Höhe mit der CDU/CSU, der Kanzlerkandidat auf einer Höhe, sogar noch besser als die Kanzlerin – das hat es Jahre nicht gegeben. Und so verhalten sich beide Seiten auch.

Von wegen kein amerikanischer Wahlkampf: Die einen, die Unionsparteien, versuchen Ansatzpunkte für eine Attacke auf die Integrität von Martin Schulz zu finden, Stichwort Bereicherung; die anderen, die Sozialdemokraten, versuchen sich in gehobenem Linkspopulismus, Stichwort Bernie Sanders. Beides fängt früh an und lässt erahnen, dass es diesmal Wahlkampagnen im Wortsinn geben könnte.

Noch acht Monate... Unabhängig davon gilt, dass Harmonie in der Politik kein Wert an sich ist, keine Tugend. Der Bürger, Wähler hat allerdings einen Anspruch darauf, genau zu erfahren, wofür einer oder eine die Macht haben oder behalten will. Wobei ein Wechsel keine Zumutung ist, sondern Normalität. Denn die Norm ist, dass alle Ämter in der Demokratie auf Zeit vergeben werden, nicht in Erbpacht. Vor diesem Hintergrund seien die Spitzen von SPD und Union gewarnt: Sich an sich selbst zu berauschen, ist kein Programm. Sich selbst zu genügen, sowieso nicht. Wer eins von beiden tut, verliert.

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