Casdorffs Agenda : Hollande, der "Kofürst von Andorra"

Angela Merkel steuert erfolgreich durch schwere See, François Hollande hingegen fährt Schlingerkurs. Fast vier Jahre ist er im Amt - und sein Land wird von Krisen geschüttelt.

von
Frankreichs Präsident François Hollande - hier am Donnerstag beim Eintreffen zu einem Arbeitsessen beim Atomgipfel im Weißen Haus - steht im eigenen Land und in der eigenen Partei schwer unter Druck.
Frankreichs Präsident François Hollande - hier am Donnerstag beim Eintreffen zu einem Arbeitsessen beim Atomgipfel im Weißen Haus...Foto: Jonathan Ernst/Reuters

Und da wollen sich die Deutschen über Angela Merkel beklagen? Was sollen da erst die Franzosen sagen! Die haben François Hollande. Merkel und er sind zwar gleich alt, beide 61, und führen die zwei wichtigsten europäischen Nationen - aber da endet auch schon das Gemeinsame. Die Kanzlerin lenkt, bei aller Kritik, ihr Land ökonomisch erfolgreich durch schwere See, der Präsident zeigt sich als der "Tretbootkapitän", als den ihn sein Vorgänger Nicolas Sarkozy einmal verhöhnt hat. Frankreich dümpelt vor sich hin, wird von Krisen geschüttelt, und Hollande fährt einen Schlingerkurs. Am 15. Mai ist er vier Jahre im Amt; heute hat ihn selbst die Mehrheit in seiner Partei verlassen. Und darüber darf der Präsident sich auch nicht beklagen. Nun ist jeder Herr im Élysée zusätzlich noch "Kofürst von Andorra". Vielleicht sollte Hollande es mal mit diesem Amt versuchen.

Einen guten Morgen wünscht
Ihr Stephan-Andreas Casdorff, Tagesspiegel-Chefredakteur

Casdorffs Agenda erscheint jeden Morgen in der Morgenlage, dem Newsletter für Politik- und Wirtschaftsentscheider, den sie hier kostenlos abonnieren können.

2 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben