Casdorffs Agenda : Öcalan oder Erdogan: Wer polarisiert mehr?

Plakate mit dem Gesicht von PKK-Chef Öcalan sind in Deutschland verboten - wegen des hohen Emotionalisierungseffekt. Müsste das nicht auch für andere Politiker überlegt werden?

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Kurdendemo on Köln: Die PKK gilt weiterhin als verbotene Terrororganisation.
Kurdendemo on Köln: Die PKK gilt weiterhin als verbotene Terrororganisation.Foto: Oliver Berg/dpa

Interessantes Argument des Bundesinnenministers: Er spricht ein Verbot für Bilder und Plakate mit dem Gesicht des PKK-Führers Abdullah Öcalan aus, weil die einen hohen "Emotionalisierungseffekt" hätten. Die Begründung ist nicht von der Hand zu weisen. Die PKK wird immer noch als Terrororganisation eingestuft. Daneben hat Öcalan allerdings aus dem Gefängnis heraus zweimal zu einem Friedensprozess zwischen der Türkei und der PKK aufgerufen, erfolglos.

Aufgebrachte Demonstranten in Rotterdam mit einer Erdogan-Fahne.
Aufgebrachte Demonstranten in Rotterdam mit einer Erdogan-Fahne.Foto: Yves Herman/REUTERS

Bestimmt auch vor diesem Hintergrund sieht Mehmet Tanriverdi, stellvertretender Bundesvorsitzender der Kurdischen Gemeinde Deutschland, einen nicht geringeren Emotionalisierungseffekt in Transparenten mit dem Gesicht von Recep Tayyip Erdogan. Der Führer der Türkei spaltet und polarisiert aus kurdischer Sicht auch, und zwar nicht nur die türkische Gesellschaft, sondern dazu die deutsche. Erdogan habe hier womöglich einen noch größeren Emotionalisierungseffekt, erklärt Tanriverdi. Eine mindestens interessante Sichtweise. Und wenn man sich so umhört: Ganz falsch ist sie nicht.

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