Politik : Castor: Ausgetrickst und eingelagert

Ulrike Fokken

8665 Polizisten haben die Straße von Dannenberg nach Gorleben am Donnerstagmorgen gesäumt. Sie haben dafür gesorgt, dass die sechs Castor-Behälter in der Rekordzeit von eineinhalb Stunden die 18 Kilometer Landstraße vom Verladebahnhof ins Zwischenlager zurücklegen konnten. Zusätzlich hat der Bundesgrenzschutz in 49 Hubschraubern je 20 Mann an der Strecke hin- und her geflogen, so dass sie schnell an brenzligen Stellen eingreifen konnten.

Dazu kam es jedoch kaum. Denn zuvor hatte die Polizei das Camp der Atomkraftgegner in Dannenberg eingekesselt. Wer nicht im Camp übernachtet hatte, hatte ebenfalls keine Chance, an den CastorTransport heranzukommen. Selbst im Wald standen die Hundertschaften dicht an dicht. Die Einsatzleitung war dann auch zufrieden mit dem schnellen Transport.

Unterdessen hat der niedersächsische Innenminister Heiner Bartling (SPD) wiederholt, dass ein weiterer Castor-Transport in diesem Jahr "für das Land nicht verkraftbar" sei. Rund 110 Millionen Mark habe dieser gekostet. Rebecca Harms, Fraktionschefin der Grünen im niedersächsischen Landtag, mahnte die Bundesregierung. "Diese Transporte, dieser Standort ist politisch nicht durchsetzbar." Der in den Augen der Wendländer dafür Verantwortliche - Umweltminister Jürgen Trittin - drückte am Donnerstag im Bundestag "der übergroßen Anzahl der Menschen, die dort demonstriert hat, meinen Respekt aus". Gleichzeitig dankte er der Polizei "für das Deeskalationskonzept und jedem einzelnen für die psychische Belastung und die Überstunden".

In einer aktuellen Stunde zu den "Be-gleitumständen der Castor-Transporte" sollte sich Trittin auf Wunsch der Union rechtfertigen. Die Fraktionen sollten sich darauf einigen, dass jede Form von Gewalt strikt abzulehnen ist, sagte er. Aber ziviler Ungehorsam dürfe nicht mit Rechtsbruch und Gewalt gleichgesetzt werden. Auch darauf sollten sich alle einigen. Daran hat die Union jedoch kein Interesse. Ihr Abgeordneter Jürgen Gehb meinte, "bürgerkriegsähnliche Zustände" und "Fremdenlegionäre" gesehen zu haben. Den Grünen warf er vor, die "Lunte angesteckt" zu haben.

Dies wollte auch die SPD nicht auf sich sitzen lassen. "Wie man Aggressionen und Gewalt auch auf verbaler Ebene schüren kann, zeigen Sie", rief SPD-Mann Arne Fuhrmann. "Nicht alles, was ordnungswidrig ist, ist Gewalt." Die Bewohner von Lüchow-Dannenberg wüssten jedenfalls, dass die Politiker aller Parteien für die Zustände dort verantwortlich seien. Und niemand sonst.

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