Politik : Castor: Blockaden verzögern Atom-Transport

Trotz massiver Proteste hat der erste Castor-Transport nach Gorleben seit 1997 am Dienstag ohne größere Verzögerungen Niedersachsen erreicht. Bei Einbruch der Dunkelheit kam es allerdings zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizei. Entgegen ihren Ankündigungen nahmen die Grünen-Parteivorsitzende Claudia Roth und Grünen-Fraktionschefin Kerstin Müller nicht an den Demonstrationen teil. Ein Vertrag, den das Bundesamt für Strahlenschutz am Montagabend mit Siemens und RWE-Power abgeschlossen hat, könnte zudem weitere Transporte nach Gorleben nötig machen.

Nach einer zunächst weitgehend reibungslosen Bahnfahrt Richtung Gorleben entwickelte sich der Castor-Transport am Dienstagabend zur befürchteten Kraftprobe zwischen Polizei und Demonstranten. Militante Atomkraftgegner lieferten sich im Schutz der Dunkelheit im Wendland heftige Auseinandersetzungen mit den Einsatzkräften. Dabei gingen mehrere Streifenwagen in Flammen auf. Zudem wurden Einsatzkräfte mit Leuchtmunition beschossen. Die Polizei setzte Wasserwerfer ein.

Der Zug mit den sechs Castor-Behältern aus der französischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague wurde gegen 21 Uhr in der Nähe von Bavenburg blockiert, weil sich ein Demonstrant an die Gleise gekettet hatte. Das Schienenteil musste herausgeschnitten werden. Die Weiterfahrt zum Verladebahnhof Dannenberg war zu diesem Zeitpunkt nicht absehbar.

Begleitet von Störmanövern der Atomkraftgegner und unter dem Schutz tausender Polizisten hatte der Castor-Zug bis zum Abend seine längste Etappe hinter sich gebracht. Er erreichte ohne Zwischenfälle Lüneburg. Von dort aus rollte er wegen Gleisblockaden aber nur noch im Schritttempo und mit mehreren Stopps zum 50 Kilometer entfernten Verladebahnhof Dannenberg. Bei Wendisch Evern wurden durch einen Schlagstockeinsatz der Polizei mindestens zwei Castor-Gegner verletzt.

Nach dem Umladen der sechs Spezialbehälter mit rund 85 Tonnen Atommüll auf Schwerlaster stehen am Mittwoch noch 20 Kilometer Straßentransport ins Zwischenlager Gorleben bevor. Zum Schutz der Behälter sind allein in Niedersachsen rund 15 000 Polizisten im Einsatz. Die Atomkraftgegner erwarten fast ebenso viele Demonstranten.

Am Dienstag wurde zudem bekannt, dass das Staatliche Verwahrlager für Kernbrennstoffe in Hanau bis spätestens 2008 aufgelöst werden soll. Bisher ist das Bundesamt für Strahlenschutz Untermieter der früheren Siemens-Brennelementefabrik in Hanau. Dort hat RWE Power bisher einen Großteil des Reaktorkerns des aufgegebenen Schnellen Brüters in Kalkar untergebracht. RWE hat sich nun verpflichtet, die Verantwortung dafür wieder selbst zu übernehmen. Ein Unternehmenssprecher sagte, RWE Power bemühe sich um die Wiederverwertung oder Aufarbeitung des Materials. Sollte dies nicht gelingen, müsste der Reaktorkern aus Kalkar in einem der beiden Zwischenlager, Gorleben oder Ahaus, untergebracht werden.

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