Politik : Castor-Gegner von Zug überrollt

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Nancy Beim Castor-Transport von Frankreich ins niedersächsische Gorleben ist am Sonntag erstmals ein Atomkraftgegner bei einer Protestaktion ums Leben gekommen. In der Nähe von Avricourt in Lothringen überrollte der Zug mit den zwölf Atommüllbehältern einen 23-Jährigen, der sich an die Gleise gekettet hatte. Ihm wurden nach Angaben der Polizei in Nancy beide Beine abgefahren. Die Feuerwehr hatte vergeblich versucht, den Mann wiederzubeleben. Wenige Stunden nach dem Unfall setzte der Zug seine Fahrt fort. Nach Angaben der Bahngesellschaft SNCF in Paris ereignete sich das Unglück in einer Kurve. Der Lokomotivführer habe die kleine Gruppe Demonstranten zu spät gesehen. Er habe die Notbremse gezogen, den schweren Zug aber nicht mehr rechtzeitig stoppen können. Der Zug war bereits vor dem Unglück zwei Stunden lang aufgehalten worden, weil sich dort zwei Demonstranten ebenfalls an die Gleise gekettet hatten.

Im niedersächsischen Hitzacker versammelten sich am Abend mehrere hundert Menschen zu einer Trauerkundgebung. Ausgestattet mit Kerzen und Laternen forderten sie die „Stilllegung aller Atomanlagen weltweit“. Die Grünen forderten in Berlin die lückenlose Aufklärung des Unglücks. Zudem appellierte der Parteivorstand an die Demonstranten, sich bei den Protesten nicht in Gefahr zu begeben. Auch die Anti-Atom-Kampagne „X-tausendmal quer“ mahnte ihre Anhänger zur Besonnenheit. Die Atommüllbehälter sollen am Dienstag im Zwischenlager Gorleben ankommen. dpa

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