Politik : Castor-Transport: Atomkraft-Kritiker protestieren

Mehrere tausend Atomkraftgegner aus dem gesamten Bundesgebiet haben sich am Sonnabend in Lüneberg versammelt, um gegen den für Montag erwarteten ersten Castor-Transport durch Deutschland seit vier Jahren zu protestieren. Die Veranstalter rechneten am Samstag nach eigenen Angaben mit bis zu 15 000 Teilnehmer. Der geplante Sternmarsch durch Lüneburg, an dem sich auch Bauern mit Traktoren beteiligten, und die anschließende Kundgebung sollen den Auftakt bilden zu einer Serie von Protestaktionen in der Region um das Zwischenlager in Gorleben. Die Initiative der Atomkraftgegner "X-1000mal quer" kündigte an, sie wolle versuchen sämtliche 52 Bahnübergänge an der Transportstrecke für die Castor-Behälter an der Strecke zwischen Lüneburg und Dannenberg zu besetzen.

Eine Sprecherin von "X-1000mal quer" sagte, etliche Atomkraftgegner planten jetzt ein Camp ohne Zelte und würden notfalls unter freiem Himmel übernachten, nachdem die Bezirksregierung Lüneburg mehrere Zeltlager verboten hatte. "Die massiven Einschränkungen des Demonstrationrechts zeigen, dass der Castortransport nicht mit rechtstaatlichen Mitteln durchgesetzt werden kann", sagte sie. Mehrere Kirchengemeinden im Landkreis Lüchow-Dannenberg haben sich bereit erklärt, ihre Gemeindehäuser als Übernachtungsplätze für Atomkraftgegner zur Verfügung zu stellen.

Der niedersächsische Innenminister Heiner Bartling (SPD) wies den Vorwurf der Fraktionsvorsitzenden der Grünen im niedersächsischen Landtag, Rebecca Harms, zurück, die Behörden redeten die Gewalt der Castorgegner selbst herbei, um damit den großen Polizeieinsatz zu rechtfertigen. Bartling sprach im Deutschlandradio von einem völlig verfehlten Vorwurf. Er hoffe vielmehr, dass Gewalt durch präventive Maßnahmen verhindert werden könne. Er verteidigte auch die Räumung von Zeltlagern der Castorgegner.

Der Zug mit sechs Castor-Behältern soll am Montag früh in der Nähe der französischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague starten und wird am Dienstag an der Verladestation in Dannenberg erwartet. Von dort werden die Behälter auf Tieflader umgeladen und voraussichtlich am Mittwoch ins 20 Kilometer entfernte Zwischenlager gebracht. Die Polizei sichert seit mehreren Tagen die letzten 70 Kilometer der Transportstrecke von Lüneburg bis Gorleben. Sie setzt nach eigenen Angaben in der Region 15 000 Beamte ein.

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