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Castor-Transport : Atomkraftgegner setzen Streifenwagen in Brand

Der Zug mit den radioaktiven Castor-Behältern befindet sich noch im Saarland. Doch im Wendland kommt es bei den Protesten gegen den Atommülltransport bereits jetzt zu Ausschreitungen.

Kurz vor dem Ziel: Der längste und teuerste Castor-Transport kurz vor Gorleben.Weitere Bilder anzeigen
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28.11.2011 19:13Kurz vor dem Ziel: Der längste und teuerste Castor-Transport kurz vor Gorleben.

In den Orten Leitstade und Tollendorf hätten Straftäter je ein Fahrzeug in Brand gesetzt, teilte die Polizei mit. Verletzt wurde nach bisherigen Erkenntnissen niemand. Atomkraftgegner wollen den Castor-Zug auf dem Weg ins Zwischenlager Gorleben mit Blockaden aufhalten. Am Donnerstagabend war die Polizei mit Wasserwerfern und Pfefferspray gegen Demonstranten vorgegangen, es gab etliche Verletzte.

Der Castor-Transport mit hoch radioaktivem Atommüll hat im Saarland eine erneute Pause eingelegt. In Neunkirchen machte er am Freitag erst einmal Halt. „Dort werden die Loks ausgetauscht“, sagte ein Sprecher der Bundespolizei. Außerdem übernehmen die deutschen Polizisten die Überwachung von den französischen Kollegen. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa könnte der Zug bis zum späten Nachmittag in Neunkirchen bleiben und erst dann in Richtung Rheinland-Pfalz weiterrollen.

Der Castor-Transport war nach einem eintägigen Zwischenstopp in Ostfrankreich wieder Richtung Deutschland gestartet. Los ging es am Mittwoch in Valognes in Frankreich. Der Zug hatte am Donnerstag in der lothringischen Gemeinde Rémilly rund 65 Autokilometer südwestlich von Saarbrücken zunächst eine Pause gemacht. Er bringt deutschen Atommüll aus der französischen Wiederaufbereitungsanlage La Hague nach Gorleben. Alternativ hätte der Transport auch die Strecke über das pfälzische Berg oder Kehl in Baden-Württemberg nehmen können.

Im Wendland in Niedersachsen war es am Donnerstagabend bereits zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Atomkraftgegnern und der Polizei gekommen. In dem Örtchen Metzingen rund 30 Kilometer von Gorleben entfernt setzten die Sicherheitskräfte zwei Wasserwerfer ein. Atomkraftgegner warfen bei einer Straßenblockade Steine, Farbbeutel und Böller. Es gab Verletzte auf beiden Seiten.

Nach Angaben der Polizei mussten acht Beamte wegen Verletzungen durch Steinwürfe und Reizgas behandelt werden. Atomkraftgegner sprachen von 20 durch Pfefferspray verletzten Demonstranten, eine Frau habe Prellungen erlitten. Vier Castorgegner wurden laut Polizei festgenommen. Danach verlief die Nacht im Wendland laut Polizei aber ruhig.

Am Donnerstag hatten Atomkraftgegner in Rheinland-Pfalz und Hessen friedlich gegen den Atomzug demonstriert. Im pfälzischen Berg versammelten sich nach Angaben der Polizei rund 250 Demonstranten. In Nordhessen verübten Unbekannte einen Brandanschlag auf Signalanlagen der Bahn. Die Flammen beschädigten Leitungen.

Castorproteste 2010
Und Haken dran. Bis zum nächsten Mal. Der Castor-Transport 2010 ist Geschichte. Der Widerstand bleibt.Weitere Bilder anzeigen
1 von 111Foto: Reuters
17.11.2010 07:48Und Haken dran. Bis zum nächsten Mal. Der Castor-Transport 2010 ist Geschichte. Der Widerstand bleibt.

Der Transport des Atommülls nach Gorleben ist seit vielen Jahren umstritten. Umweltschützer halten den Salzstock an der früheren DDR-Grenze für zu unsicher, um hier den Müll für immer in rund 800 Metern Tiefe zu lagern. Das Zwischenlager, wo der Müll bis zur Endlagerung abkühlen soll, liegt in der Nähe des Salzstocks.

Der aktuelle Castor-Transport ist der letzte mit hoch radioaktiven Abfällen aus der Wiederaufarbeitung deutscher Brennelemente in Frankreich Richtung Gorleben. Bundesregierung und Energieversorger hatten sich bereits vor Jahren darauf verständigt, vom 1. Juli 2005 an keine abgebrannten Brennelemente wieder aufarbeiten zu lassen. Die Bundesrepublik muss aber bereits früher ins Ausland transportierten Atommüll zurücknehmen. (dpa)

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