Castor-Transport : Atomkraftgegner wirbeln Zeitplan durcheinander

Mit massiven Protestaktionen haben Atomkraftgegner den diesjährigen Atommülltransport ins niedersächsische Zwischenlager Gorleben ins Stocken gebracht. Die elf Behälter für das Zwischenlager Gorleben sind seit über 75 Stunden unterwegs. 2006 dauerte der Transport nur insgesamt 58 Stunden.

Andre Klohn,Ekkehard Beisker (ddp)
Atommülltransport
Sicherheitskräfte tragen Atomkraftgegner von der Castor-Strecke. -Foto: dpa

DannenbergDie Atomkraftgegner im Wendland haben durch ihre Proteste den aktuellen Atomtransport ins Zwischenlager Gorleben so lange hingezogen wie keinen anderen zuvor. Die Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg teilte am Montagabend mit: "Wir haben den längsten Castortransport hingekriegt." Sie rief ihre Unterstützer zugleich auf, ruhig zu bleiben. Diese blockierten derweil weiter die letzte Straßenstrecke nach Gorleben. Ein Polizeisprecher kündigte an, dass der insgesamt elfte Atomtransport mit hochradioaktivem Müll erst weiterrollen werde, wenn die knapp 20 Kilometer lange Straßenstrecke ins Ziel insgesamt frei sei.

Gemessen am bislang letzten Transport im Jahr 2006, der 58 Stunden gedauert hatte, war die neue Lieferung mit elf Behältern mit hoch radioaktivem Müll aus der französischen Wiederaufarbeitungsanlage am Montagabend bereits 17 Stunden länger unterwegs. Die Polizei war zunächst weiter damit beschäftigt, insgesamt acht Demonstranten der Bäuerlichen Notgemeinschaft aus massiven mannshohen Betonpyramiden zu schneiden, die bei Grippel die einzige Transportstrecke ins Zwischenlager blockierten. Laut Bürgerinitiative waren fünf von ihnen weiter an die Pyramiden gekettet.

Mit Blick auf die Ereignisse im Wendland sagte Grünen-Chef Reinhard Bütikofer, mit dem Atomausstieg habe man einen "gesellschaftlichen Großkonflikt" weitgehend befriedet. Wenn manche Politiker anderer Parteien glaubten, nun den Atomausstieg in Frage stellen zu können, hätten diese die "Rechnung ohne den Wirt" gemacht. Es habe sich gezeigt, dass der Widerstand gegen die Atomenergie "mobilisierungsfähig" sei.


Greenpeace: Zu hohe Strahlungsmessergebnisse



Für Wirbel sorgten zudem Berichte von Greenpeace über Strahlungsmessergebnisse des Transportes. Demnach ist die von den beim aktuellen Transport eingesetzten neuen französischen Behältern ausgehende Strahlung höher als sonst und liegt noch einmal um 40 Prozent über dem Wert des Castortransports 2005, sagte ein Sprecher der Umweltschutzorganisation. Zwar liege die Strahlung vermutlich innerhalb der Grenzwerte. Dennoch würde man in direkter Nähe der Behälter innerhalb von wenigen Stunden die zulässige Jahresdosis erreichen.

Gegen 12.30 Uhr waren in Dannenberg alle elf Atommüllbehälter aus der französischen Wiederaufbereitungsanlage La Hague von Waggons auf Tieflader umgehoben worden. Der Zug mit den Behältern hatte begleitet von massiven Protesten in der Nacht zum Montag um 01.13 Uhr den Dannenberger Bahnhof erreicht. Zuvor musste er auf dem letzten Teilstück zwischen Lüneburg und Dannenberg wiederholt kurzzeitig stoppen. Bei Leitstade kletterten drei Aktivisten auf einen der Waggons. Sie wurden nach Polizeiangaben aber bereits kurze Zeit später wieder heruntergeholt.

Proteste am Samstag brachen Rekorde

Entlang der Bahnstrecke hatte es im Verlauf des Sonntags immer wieder Blockadeaktionen und Proteste gegeben. Die Polizei räumte mehrere Sitzblockaden der Schienenstrecke bei Tollendorf sowie bei Hardingen und beendete eine Abseilaktion von Robin-Wood-Aktivisten.

Der Transport war am Freitagabend in Frankreich gestartet. Am Samstag hatten rund 14.500 Menschen in Gorleben demonstriert, so viele wie seit Jahren nicht mehr.

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben