Politik : Castor-Transporte: Viren, die blockieren

Dagmar Dehmer

Was Atomkraftgegner nicht vermocht haben, könnte die Maul- und Klauenseuche bewirken. Weil die Tierseuche in Frankreich ausgebrochen ist, fordert die nordrhein-westfälische Landwirtschaftsministerin Bärbel Höhn (Grüne) den geplanten Castor-Transport ins Zwischenlager Gorleben zu verschieben. Umweltminister Jürgen Trittin fragt deshalb vorsorglich bei seiner Kollegin Renate Künast nach, ob vom Castor-Transport eine Gefahr für die Landwirtschaft ausgehe. Und der zentrale Krisenstab gegen das aggressive Virus will dies nun ernsthaft prüfen.

Doch noch lässt sich die Cogema, Betreiberin der Wiederaufarbeitungsanlage in La Hague, nicht aufhalten. Am Donnerstag hat sie den ersten Atommüllbehälter zum Verladebahnhof in Valognes gebracht. Der niedersächsische Agrarminister Uwe Bartels (SPD) verlangt, dass die Behälter zumindest desinfiziert werden, um das Virus der Maul- und Klauenseuche nicht einzuschleppen. Rebecca Harms, grüne Fraktionsvorsitzende des niedersächsischen Landtags, wittert nun Morgenluft. Wochenlang hatte sie in ihrer Partei dafür gekämpft, dass die Grünen sich auch künftig an Demonstrationen gegen Castor-Transporte beteiligen. Jetzt kann sie sich zurücklehnen und stellt lediglich fest: "Die Transportstrecke verläuft nicht weit vom Departement Mayenne entfernt." Dort war der erste französische Fall der Tierseuche entdeckt worden.

Gegen einen zweiten, am Mittwoch genehmigten Castortransport wird aber wohl auch die Maul- und Klauenseuche nichts ausrichten können. Er soll bis zum 31. Mai vom 1990 stillgelegten Atomkraftwerk Rheinsberg zum Zwischenlager Nord nach Greifswald führen. Und dort gibt es bisher keinen Seuchenverdacht.

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