Politik : Castor und Atomausstieg: Der teuerste Einsatz

Der jüngste Castor-Transport nach Gorleben war für das Land Niedersachsen der bislang teuerste. Innenminister Heiner Bartling (SPD) bezifferte die Kosten am Freitag nach erster Schätzung auf 22 bis 23 Millionen Mark. Der Transport vor vier Jahren hatte knapp 18 Millionen Mark gekostet. Nach Polizei-Angaben waren bundesweit rund 29 000 Beamte von Polizei und Bundesgrenzschutz im Einsatz, davon allein am Donnerstag 18 200.

Bartling bezeichnete die hohen Kosten als "dickes Problem" und forderte eine Beteiligung von Bund und Ländern: "Wir dürfen mit der nationalen Aufgabe der Atommüllentsorgung nicht allein gelassen werden." Die betriebswirtschaftlichen Kosten, bei denen vor allem die ohnehin anfallenden Beamten-Gehälter zu Buche schlagen, steigen nach Bartlings Einschätzung von 111 Millionen (1997) auf 120 Millionen Mark. Nach den Angaben von Polizeieinsatzleiter Hans Reime wurden 693 Demonstranten in Gewahrsam genommen. Es gab 116 Festnahmen, bei 1093 Demonstranten wurden die Personalien aufgenommen. Nicht festgenommen werden konnten die besonders brutalen Störer, die etwa mit Leuchtmunition auf Beamte schossen und einem bereits am Boden liegenden Polizisten die Beine brachen, indem sie darauf sprangen. Diese "Chaoten" seien zwischen anderen Demonstranten untergetaucht.

Unterdessen kritisierten die Gewerkschaften der Polizei die Bedingungen ihres Großeinsatzes. Der GdP-Vorsitzende Konrad Freiberg sprach von "menschenunwürdigen Umständen", die sich nicht wiederholen dürften. Der DPolG-Vorsitzende Gerhard Vogler forderte für jeden eingesetzten Beamten eine Sonderprämie von 250 Mark pro Einsatztag.

0 Kommentare

Neuester Kommentar