Catherine Ashton : Aufstieg einer schlagfertigen Baronin

Auch in Großbritannien kennen nur ganz versessene Politik-Fans Baroness Ashton of Upholland – was sicher damit etwas zu tun hat, dass sie sich noch nie in ihrem Leben Wählern stellte. Aber Catherine Ashton, wie sie eigentlich heißt, löst nicht das erste Mal mit einem Karriereschritt Überraschung aus.

Matthias Thibaut

1956 ist sie in Upholland in Lancashire geboren, sie studierte an der London School of Economics und arbeitete von 1983 bis 1989 als Direktorin der Organisation „Business in the Community“, einer von Prince Charles ins Leben gerufenen Wohltätigkeitsorganisation. Nach einer Auszeit als Mutter tauchte sie Mitte der Neunziger Jahre wieder auf der politischen Bühne Labours auf. Sie leitete das Gesundheitsamt von Hertfordshire und war Vizepräsidentin des Nationalrats für Alleinerziehende. 1999 wurde Cathy Ashton von Tony Blair ins Oberhaus berufen und wurde 2001 Staatssekretärin für Bildung.

Sie kümmerte sich im Justizministerium kompetent um Verfassungsreformen, wurde 2007 „Leader of the House of Lords“, also Sprecherin der Regierung im Oberhaus: Dabei machte sie sich bereits um die EU verdient und bugsierte den Lissabonvertrag durch die Debatten. So unverzichtbar war sie, dass Blair sie 2006 bei einer Kabinettsumbildung irrtümlich gleich für zwei Ministerposten ernannte und sie neben dem Verfassungsministerium noch ins Landwirtschaftsministerium schickte. Nach einer Woche wurde der Irrtum klar und Ashton trat wieder ab.

In diesem Geist solidarischer Tapferkeit ließ sie sich 2008 von Gordon Brown als Nachfolgerin von Handelskommissar Peter Mandelson nach Brüssel schicken: Einige rümpften schon da die Nase, da sie weder außenpolitische Erfahrung noch je etwas mit Handel zu tun hatte. Nun ist sie wieder zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort und erfüllt zwei wichtige Voraussetzungen für den neuen Job: Sie ist Frau und Britin. 

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