Politik : CDU: Arena der Strategen

Robert Birnbaum

Laurenz Meyer sieht sich zu ein paar allgemeinen Bemerkungen genötigt. "Es ist wichtig, dass jetzt alle begreifen, worum es geht", sagt der CDU-Generalsekretär. Nämlich darum, dass die CDU als "geschlossene Mannschaft" auftrete. Und dass jeder, der etwas zu kritisieren habe, das erst einmal in den Gremien tue, statt Ratschläge über die Presse zu erteilen. Wer sich daran nicht halte, habe mit Widerstand zu rechnen. Auf den ersten Blick hat solche Ermahnung zur Disziplin wenig mit dem Anlass zu tun, zu dem der CDU-General am Donnerstag geladen hat. Auf den zweiten Blick schon: Ohne geschlossenes Auftreten hilft der CDU auch die neue Wahlkampfzentrale wenig.

Wenn also zum Beispiel, wie am vorigen Montag geschehen, die Parteichefin Angela Merkel in der Parteispitze für verstärkten Einsatz der Bundeswehr im Inneren eintritt und eine Reihe CDU-Granden wie Volker Rühe oder der nordrhein-westfälische Landesvorsitzende Jürgen Rüttgers dagegen - dann dürfte sich auch die Mannschaft der "Arena 02" schwer tun, das dem Wähler als klare Position zu verkaufen.

Aber sonst steht schon das meiste bereit im zweiten Stock des Adenauer-Hauses, inklusive grellblauem Leuchtband, das die "Arena 02" vom Rest der CDU-Zentrale optisch abgrenzt. Mehr an Abgrenzung gibt es nicht. Was die SPD-Kampagne im Wahlkampf 1994 von allem bisher in Deutschland Dagewesenen unterschied - dass eine Mannschaft außerhalb der Parteizentrale die Kampagne managte -, greift die CDU gerade nicht auf. Bis zu 70 meist junge Leute hatten damals, unterstützt von Werbeprofis, die SPD in einem Bürogebäude ein paar hundert Meter vom Bonner Erich-Ollenhauer-Haus entfernt zum Erfolg geführt. Meyer erklärt nun das Konrad-Adenauer-Haus komplett zum Wahlkampfteam, im Endausbau sollen zu heute 110 Mitarbeitern noch 50 bis 60 Helfer hinzukommen. Dabei spielt Rücksicht auf das Binnenklima im Haus eine Rolle, aber auch der Rotstift: Mit dem auf 40 Millionen Mark begrenzten Wahletat kann die CDU keine großen Sprünge machen.

Ansonsten übernimmt die CDU-"Arena" aber viele der Elemente aus dem amerikanischen und britischen Wahlkampf, die seinerzeit die sozialdemokratische Truppe um Franz Müntefering als erste importiert hatte. Es gibt ein Bürgerbüro, einen Kandidatenservice und ein Online-Team. Regelmäßig werden Umfragedaten erhoben. Demnächst soll eine Gruppe den politischen Gegner beobachten und eine weitere die Medien. Vier Fernseher mit Kopfhörer warten schon in einem Zimmer. Derzeit, räumt Meyer ein, sind die Lauschposten nur abends besetzt - aber das soll sich bis zum Wahljahr ändern.

Natürlich hat jemand gefragt, was denn aus der schönen Wahlkampfzentrale wird, wenn der Kanzlerkandidat der Union aus, sagen wir, Bayern kommen sollte. "Dann ändert sich gar nichts", versichert Meyer: Die CSU wisse über die Planung Bescheid. Den CSU-Strategen in München wird freilich auch ein Detail im neuen Organisationsplan der Schwester-Zentrale aufgefallen sein. Es gibt dort jetzt eine "Stabsstelle Wahlkampf", zugeordnet der Parteichefin und dem Generalsekretär. Die Stelle, sagt Meyer, solle verhindern, dass es zu "irgendwelchen auseinanderlaufenden Prozessen" in der Spitze komme. Es muss also jemand die Sorge gehabt haben, dass diese Gefahr drohe. Und dieser Jemand hat die Stelle mit Merkels Büroleiterin Beate Baumann besetzt.

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