Politik : CDU: Der rechte Glaube fehlt

Stephan-Andreas Casdorff

Wenn nichts mehr hilft, dann hilft der Glaube. Was aber hat es zu bedeuten, wenn die CDU-Vorsitzende Angela Merkel an die Parteimitglieder zum neuen Jahr schreibt: "Unser ärgster Feind ist der mangelnde Glaube an uns selbst"? Dann bedeutet es diese eine Gewissheit: Der ärgste Feind heißt nicht Gerhard Schröder.

Die Heilige Johanna der Spendenhöfe zeigt sich überzeugt, dass die Christdemokraten den Kanzler und seine SPD bei der Bundestagswahl 2002 schlagen können. "Wir müssen es nur wollen", schreibt Merkel an ihre Gefolgsleute, "aber mehr noch: Wir müssen auch wissen, was wir wollen."

Glauben heißt nicht wissen. Doch Merkel weiß, was sie will: für den Fall eines Sieges "eine Rentenreform, die einen solchen Namen wirklich verdient". Keinen unglaubwürdigen "Zickzackkurs" mehr wie bei Schröder, sondern stattdessen Bereitschaft und Wille, "zu Ende zu denken". Denken wir ans Ende. Wohin sie will, weiß Merkel auch. Aus ihrer Sicht hat die CDU im Gegensatz zur SPD ja einen Kompass: "Unser Kompass ist das christliche Menschenbild."

Ein Beispiel? Die Debatte um die Forschung an Stammzellen menschlicher Embryonen. Merkel findet es "furchtbar", wenn Schröder "ziellos und ohne Wertgerüst davon spricht, in der Bio- und Gentechnikdebatte sei kein Raum für ideologische Scheuklappen". Dem Schlingern will sie mit klaren Grundsätze begegnen. Ein "klarer Kompass" soll die CDU allerdings nicht dazu verleiten, starr und festgefahren zu werden. "Was helfen uns die schönsten Programme, wenn wir die Sprache der Menschen nicht sprechen?"

Wie Merkel das fragt, bedeutet es eines: Sie glaubt nicht, dass die CDU diese Sprache spricht. Oder diese Programme hat. Wenn das nun schon der CDU-Vorsitzenden so geht - dann geht sie einen schweren Gang, bis sie die Mitglieder von der Chance auf einen Wahlsieg überzeugt hat. Das wäre auch ein Sieg über sich selbst.

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