Politik : CDU-Frauen sind verstimmt

Carstensen soll Kiels Regierungschefin Simonis herausfordern

Günter Beling

Norderstedt. Peter Harry Carstensen (CDU) soll Heide Simonis (SPD) besiegen. Ein Landesparteitag nominierte den 56-Jährigen zum Spitzenkandidaten der Union für die Landtagswahl 2005 in Schleswig-Holstein. Er führt eine männerdominierte Riege an. Die Frauen-Union hatte vergeblich versucht, auf der Landesliste den Anteil der Kandidatinnen auf das satzungsgemäße Drittel zu erhöhen. Und von 19 Frauen, die sich in den 40 Wahlkreisen direkt um eine Kandidatur bemüht hatten, setzten sich nur acht durch.

Er ballte die Faust und ließ sich mit roten Plüschherzen überhäufen – 98 Prozent der Delegierten stimmten für Carstensen. Hamburgs Landeschef Dirk Fischer gab in einem Grußwort der Nord-CDU gar das Wahlziel „absolute Mehrheit“ vor. Doch hinter den Kulissen brodelt es seit Wochen: Die Frauen- Union monierte, das verbindliche Frauen- Quorum werde ignoriert und die CDU-Kreischefs hätten bevorzugt männliche Bewerber durchgeboxt. Carstensen versuchte, den Konflikt zu begrenzen, indem er die Drittelquote immerhin auf den ersten 24 Plätzen einhielt – nur 18 Frauen befinden sich auf der 61köpfigen Landesliste. Die Union müsse „frauenpolitische Qualität gewinnen“ hatte die Chefin der Frauen-Union, Karin Wiedemann, vor dem Parteitag gefordert. Bei Personalentscheidungen komme es auch auf die Außenwirkung an. Eine schwache Frauenpräsenz sei dem Wahlkampf nicht förderlich. Begeisterung könne sie für die Liste nicht aufbringen, sagte Wiedemann nach der Abstimmung, sie sei aber „einigermaßen zufrieden“.

Die SPD dürfte dies mit Interesse verfolgen, weil in ihrem Wahlkampf die Ministerpräsidentin die zentrale Rolle spielen wird. Carstensen gab sich optimistisch, die Wahl am 20. Februar zu gewinnen. Schleswig-Holstein werde schlecht regiert und brauche frischen Wind: „Der höchste Berg Deutschlands ist der Schuldenberg in Schleswig-Holstein.“ Er wolle die Neuverschuldung in zehn Jahren auf null führen. Als Ministerpräsident werde er an die großen Zeiten Gerhard Stoltenbergs und Uwe Barschels anschließen. Carstensen erneuerte seinen Vorschlag, die Lehrer auch nachmittags in den Schulen zu beschäftigen. Er warnte seine Partei vor Übermut: „Zur Halbzeit steht es 2:0 für uns. Das heißt aber noch nicht, dass wir in dem Spiel siegen.“

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