Politik : CDU – gesprengt

Hans Monath

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Wenn im ziemlich friedlichen Deutschland von politischer Sprengkraft die Rede ist, sind meistens unerhört freche, brisante oder wirkungsmächtige Äußerungen gemeint. In Bonn aber haben nun nicht Interviews oder Zitate, sondern 53 Kilogramm echter Sprengstoff ein Denkmal zu einem Trümmerhaufen gemacht, das im Bild der alten Bundeshauptstadt einen prominenten Rang einnahm. Es war ein Sprengmeister, der am Sonntag mit einer kleinen Handbewegung bewirkte, dass die als Konrad-Adenauer-Haus bekannte frühere CDU-Parteizentrale in Schutt und Asche sank. Ein Vierteljahrhundert diente der 44 Meter hohe Bau als Schaltzentrale der Macht. Dauer-Kanzler und -Parteichef Helmut Kohl, der fünf Jahre nach der Einweihung 1976 zum Hausherrn gewählt wurde, hatte dort sein Büro, im großen Saal im ersten Stock feierte er viele Wahlsiege.

Doch das Relikt der Bonner Republik wollte sich nicht so einfach aus der Welt schaffen lassen, wie es sich die neuen Besitzer von der Telekom vorgestellt hatten. Es wehrte sich. Der Abriss, den die Telekom schon begonnen hatte, erwies sich als zu langwierig und belastete mit Staub und Lärm die Nachbarn. So wählte man die Lösung nach der Dynamit-Methode. Überlebt hat die rote Leuchtreklame vom Dach („CDU“). Sie wurde dem Bonner Haus der Geschichte übergeben. Dort unterhalten sich die Leuchtbuchstaben nun angeregt mit Kohls Strickjacke von der Begegnung mit Gorbatschow im Kaukasus über bessere Zeiten.

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