CDU Hamburg : Aus einem Stall

Hamburgs CDU bekommt einen neuen Vorsitzenden: Dirk Fischer gibt sein Amt und damit die Verantwortung für die schlechten Umfragewerte an Michael Freytag ab.

Dieter Hanisch
CDU Hamburg
Amtsübergabe bei der Hamburger CDU. -Foto: dpa

HamburgIn der Hamburger CDU vollzieht sich am heutigen Samstag ein Wachwechsel. Nach mehr als 15 Jahren Vorsitz überlässt Dirk Fischer (63) seinem bisherigen Stellvertreter Michael Freytag (49) das Feld. Der Personalienwechsel gilt auf der Zusammenkunft des Landesausschusses als ausgemacht. Die mit absoluter Mehrheit regierende CDU sieht dies im Hinblick auf die Bürgerschaftswahlen Ende Februar 2008 nach eigenen Aussagen nicht als schlechtes Timing an.

Fischer, Reserveoffizier und Anwalt, wollte sowieso 2008 von seinem Posten abtreten und ist nun zur Erkenntnis gekommen, dass es besser sei, dass der neue CDU-Chef bereits im Wahlkampf das Zepter in der Hand halten soll. Allerdings halten sich auch die Gerüchte hartnäckig, die besagen, Fischer wollte nur nichts mit einem möglichen Verlust der Regierungsverantwortung zu tun haben. In Umfragen reicht es für den amtierenden Hamburger Bürgermeister Ole von Beust schon lange nicht mehr zur absoluten Mehrheit. Die CDU liegt aktuell bei 42, die SPD bei 32 und die GAL bei 13 Prozent. Die aktuelle Wählermeinung zielt also auf einen künftigen Koalitionssenat. Die politischen Farbspielereien lassen rechnerisch genauso ein schwarz-rotes Bündnis der beiden Großparteien zu wie einen Pakt der Union mit den Grünen.

Fischer hat seinen Vize Freytag selbst vorgeschlagen, der quasi „Ziehkind“ des seit 1989 im Bundestag sitzenden Fischer ist. Beide kennen sich bestens, kommen sie doch aus demselben „Stall“, dem Bezirk Hamburg-Nord. Der ambitionierte Finanzsenator versteht es, mit Zahlen umzugehen, war er doch vor seiner politischen Karriere im privaten Bankengewerbe tätig. Hamburgs CDU bekommt also eine neue Handschrift verpasst. Dem Fischer-Typ Parteisoldat folgt mit Freytag ein Erneuerer, der im Fahrwasser des an der Elbe so beliebten von Beust passend das Bild einer jüngeren und modernen Großstadtpartei verkörpert. Diese in der laufenden Legislaturperiode rundum erneuerte CDU hat es geschafft, anders als in anderen Bundesländern die Liberalen in der Hansestadt fast vergessen zu machen. Sie liegen bei vier Prozent. Von Beust flirtet lieber mit den Grünen – in zwei Bezirksregierungen hat Schwarz-Grün schon das Sagen.

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