Politik : CDU in der Krise?: Doppelspitzen - und was daraus werden kann

Albert Funk

Auf zwei Posten wird das Machtspiel in der Opposition um das große Ziel geführt. Die Posten: Parteivorsitz und Fraktionsvorsitz im Bundestag. Das Ziel: Kanzlerkandidatur. Wer erstere besetzt, hat Anspruch und Chancen auf die letztere. Denn der Parteichef steht denen vor, die den Kanzlerkandidaten wählen, der Fraktionschef führt jene Gruppe, die das politische Tagesgeschäft betreibt, viel Einfluss hat und letztlich den Kanzler wählt. Nicht zu schlagen wäre im Rennen um die Kandidatur, wer beide Posten hat. Aber seit dem SPD-Politiker Erich Ollenhauer in den 50er Jahren hat das keiner mehr geschafft. Postenverteilung ist seither die Regel. Auch jetzt in der CDU, wo die "Doppelspitze" herrscht: Angela Merkel als Parteichefin, Friedrich Merz als Fraktionschef, im Wettbewerb miteinander.

Nicht einmal Helmut Kohl hatte die gesamte Machtfülle. Als er 1976 Kanzlerkandidat und Parteichef war, saß er noch nicht im Bundestag, sondern regierte in der Pfalz. Und 1980 teilten genügend Christdemokraten die Zweifel von Franz-Josef Strauß, um die Kanzlerkandidatur des Fraktions- und Parteichefs Kohl zunichte zu machen. Als Kohl 1982 Kanzler wurde, geschah das nicht nach einer Wahl, sondern wegen des Überwechselns der FDP.

Dass es mit der Ämterverteilung nicht unbedingt gut geht, wenn man an der Regierung ist, bewies die SPD nach Willy Brandts Sturz - befördert nicht zuletzt durch den mächtigen Fraktionschef Herbert Wehner. Von 1974 bis 1982 führte die "Troika" von Kanzler Helmut Schmidt, Parteichef Brandt und Fraktionsführer Wehner. Da ein Kanzler nicht Fraktionschef sein kann, liegt es nahe, dass er seine Position durch den Parteivorsitz absichert. Denn welche Partei wählt schon ihren Kanzler ab. Schmidt wurde dieses Machtmittel versagt, am Ende stand die Partei gegen den eigenen Kanzler. Der Parteivorsitz ist, so lautet die Lehre, ein nachhaltiges Mittel.

Daraus hat Kohl gelernt. Er blieb als Kanzler auch Parteichef und sorgte dafür, einen loyalen Fraktionschef zu haben - zuletzt Wolfgang Schäuble. Darin scheint Gerhard Schröder ein guter Schüler Kohls zu sein: Nach dem Machtkampf mit Oskar Lafontaine übernahm er 1999 auch die Parteiführung. Die Fraktion aber führt der loyale Niedersachse Peter Struck. Dass Schröder von seinem Hannoveraner Ministerpräsidentenamt heraus Kandidat und dann Kanzler wurde, hatte mit einer "Doppelspitze" zu tun. Wie jetzt in der CDU waren nach Lafontaines "Putsch" gegen Scharping 1995 die Ämter verteilt: Scharping Fraktionschef, Lafontaine Parteichef. Beide im Wettbewerb. Daraus wiederum könnte Edmund Stoiber lernen.

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