Politik : CDU: Kabale und Hiebe

Robert Birnbaum

Nach außen hin herrscht Ruhe in der Bundes-CDU nach der Berliner Kabale um den Beinahe-Spitzenkandidaten Wolfgang Schäuble. "Wir haben jedwedem Kandidaten, den die Berliner Kollegen nominieren, unsere Unterstützung zugesagt", verkündet am Montag der Generalsekretär Laurenz Meyer. Schäuble und der nunmehr zur Nummer Eins erhobene Berliner CDU-Fraktionschef Frank Steffel hätten diese Entscheidung ja schließlich auch gemeinsam getragen. Eine "überzeugende Berliner Entscheidung", meint gar Christian Wulff, Vizeparteichef aus Niedersachsen. Steffel, sagt wiederum Meyer, sei genau das, was die Hauptstadt jetzt brauche - ein Unternehmer, der wisse, wie man schwarze Zahlen schreibe. Und die Parteivorsitzende Angela Merkel gibt schließlich via ZDF die Parole aus, für sie sei es wichtig gewesen, dass es beim Rennen um den Berliner CDU-Spitzenkandidaten "keine Sieger und Verlierer" gegeben habe.

Nicht ganz in diesen Jubelchor passt, dass der Saar-Ministerpräsident Peter Müller sich, in München befragt, genötigt sieht, seine Parteichefin in Schutz zu nehmen. Schäuble, den Merkel unterstützt habe, wäre ein hervorragender Kandidat gewesen, sagt Müller. Dass sich die Berliner anders entschieden hätten, stelle aber Merkel "in keiner Weise" in Frage.

Genau das sehen andere in der Partei etwas anders. Unter Spitzenleuten von CDU und CSU herrscht zwar in erster Linie blanker Zorn auf die Berliner CDU. Dass ein CDU-Vorstandsmitglied die Parteifreunde einen "Kleingärtnerverein" schimpft, gehört noch zu den jugendfreien unter den Kraftausdrücken. Aber selbst Leute, die glauben, dass man Merkel kein falsches Agieren vorhalten kann, sind sich sicher: "Das wird ihr als Niederlage nachhängen." Dass sich die Bundesvorsitzende nicht habe durchsetzen können, sei - Schlangennest Berlin hin, Strippenzieherei von Schäuble- und Merkel-Gegnern her - kein gutes Signal.

Die parteipolitische Konkurrenz sieht das naturgemäß auch nicht anders, sagt es aber deutlicher. Was da mit Schäuble gemacht worden sei, sei stilistisch, menschlich und politisch "unter aller Sau", schimpft Hermann Otto Solms, in seiner Zeit als FDP-Fraktionschef lange der direkte Partner des Christdemokraten. Man könne einen wie Schäuble nicht erst ins Boot holen und dann wieder rauswerfen. Auch Grünen-Chefin Claudia Roth verteilt genüsslich Seitenhiebe: Sie sei ja aus Bayern, sagt die gebürtige Augsburgerin: "Darum kann ich mir vorstellen, dass hieraus eine gewisse bayerische Persönlichkeit durchaus gestärkt hervorgeht."

Franz Müntefering kann in diesem Chor der Schadenfrohen nicht fehlen: "Helmut Kohl hatte mal wieder die längeren Strippen", sagt der SPD-Generalsekretär. Vollkommen falsch kann Müntefering damit nicht liegen. Am Sonnabend hatte Kohl angekündigt, er wolle sich massiv in den Berliner Wahlkampf einschalten. Am Montag bekundet nun Frank Steffel, dass es für die Berliner CDU eine Ehre sei, wenn Kohl bereit sei, sie zu unterstützen. Kohl sei schließlich einer der großen Staatsmänner dieser Zeit. Die Berliner CDU nehme sein Angebot "mit großer Freude" an.

Das muss man wohl eine Premiere nennen. Seit der Spendenaffäre war der Altkanzler selbst bei ausgewiesenen Freunden wie dem Rheinland-Pfälzer Christoph Böhr als Wahlkampf-Helfer eher nicht mehr gefragt. Aber spätestens seit Kohl Steffel ermuntert hat, den Spitzenposten nicht Wolfgang Schäuble zu überlassen, fühlt sich ihm der Berliner offenbar verpflichtet.

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