Politik : CDU-Landrat in Sachsen hofiert die NPD

Lars Rischke

Dresden - Das Treffen war umstritten. Ende April empfing in Sachsen der Landrat des Muldentalkreises, Gerhard Gey, eine ganz spezielle Delegation: Drei „volkstreue“ Jugendliche aus der rechten Szene der Region, eskortiert von drei bekannten Lokalgrößen der rechtsextremen NPD.

Es gab Warnungen, aber der CDU-Politiker wollte davon nichts hören. Er sei für ein gutes Miteinander im Landkreis, für Toleranz. Rund zwei Stunden dauerte das umstrittene Kaffeekränzchen in Grimma. Tage später verbreitete die NPD dann eine Erklärung, die Gey und seine Partei endgültig in Erklärungsnot brachte. Denn darin verbreitete sie auch, der Landrat habe der „volkstreuen Jugend“ des Landkreises 2000 Euro zugesagt – ausgerechnet aus Mitteln eines aktuellen Bundesmodellprojektes für Toleranz und gegen Rechtsextremismus.

Gey versteht die Welt nicht mehr. Er sei schockiert über das Echo, erklärt er. Er will die strammen Ideologen nur aufgerufen haben, sich von rechtsextremistischem Gedankengut zu distanzieren. Die Behauptung, er habe staatliche Gelder versprochen, wies er zurück, drohte mit rechtlichen Schritten. Wegen seines Alleingangs weht ihm nun der Wind ins Gesicht. Grüne und Linkspartei protestierten heftig, warfen Gey hochgradige Naivität vor. Auch innerparteilich hagelte es Kritik. In der CDU sei es bislang Konsens gewesen, dass es keinerlei Zusammenarbeit mit der NPD gebe, wetterte Staatskanzleichef Hermann Winkler.

Abgehakt ist das Thema nicht: Am Montag muss sich Gey im Kreistag erklären. Dort beobachten Politiker besorgt, wie die NPD dem Landrat zunehmend auf der Nase herumtanzt.

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