CDU : Norbert Röttgen geht volles Risiko

Der Bundesumweltminister wagt den innerparteilichen Wahlkampf und kandidiert in Nordrhein-Westfalen gegen seinen Parteifreund Armin Laschet für den Parteivorsitz. Für die CDU besitzt der Machtkampf bundesweite Signalwirkung.

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Norbert Röttgen
Norbert RöttgenFoto: dpa

Der CDU steht ein spannender Herbst bevor, nicht nur in Berlin, wo die Bundesregierung endlich Tritt fassen muss, sondern vor allem auch in Nordrhein-Westfahlen. Dort hat Norbert Röttgen seinen Hut in den Ring geworfen. Der Bundesumweltminister will CDU-Landesvorsitzender werden.

Am Montag hat er die Parteigremien darüber informiert, dass er kandidieren werde. Auch mit seinem innerparteilichen Widersacher Armin Laschet hat er telefoniert. Am Mittwoch wird Röttgen seine Bewerbung offiziell bekannt geben. Auch als Spitzenkandidat für die nächste Landtagswahl stünde er im Falle seiner Wahl zur Verfügung, teilte Röttgen seinen Parteifreunden mit. Jetzt wird aller Voraussicht nach die Basis das letzte Wort darüber haben, wer Nachfolger von Jürgen Rüttgers werden soll. Dieser war nach der Niederlage der CDU bei der Landtagswahl am 9. Mai vom Landesvorsitz zurückgetreten. Noch ist zwar nicht offiziell, dass es eine Mitgliederbefragung geben wird, aber es läuft darauf hinaus. Der Landesvorstand will am Ende des Monats darüber entscheiden.

Mut hat Norbert Röttgen, denn mit seiner Kandidatur geht der CDU-Politiker voll auf Risiko. Setzt er sich durch, dann wäre er wohl der neue starke Mann in der CDU. Er würde in die Reihe jener CDU-Politiker aufrücken, die ernsthaft für die Nachfolge der Bundeskanzlerin und CDU-Vorsitzenden Angela Merkel in Frage kämen. Scheitert er, würde sich seine politische Karriere wohl schon im Alter von 45 Jahren dem Ende zuneigen.

Das Rennen gilt als offen. Zwar hatten sich die christdemokratischen Landesfürsten bereits darüber verständigt, dass der frühere Integrationsminister Laschet Parteivorsitzender werden soll, in einer Troika mit dem Fraktionschef Karl-Josef Laumann und Generalsekretär Andreas Krautscheid. Die drei wollen der rot-grünen Minderheitsregierung mit ihrer landespolitischen Erfahrung die Stirn bieten und bereitstehen, wenn das fragile Bündnis von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft möglicherweise schon bald in Turbulenzen gerät. Doch an der Basis der Partei besitzt auch Röttgen Sympathien. Zudem ist Röttgen der in der Öffentlichkeit wesentlich bekanntere CDU-Politiker.

Der Kampf um den Landesvorsitz in Nordrhein-Westfalen besitzt für die CDU eine Signalwirkung weit über das Land hinaus. Immerhin wären bei einer Mitgliederbefragung 160.000 Christdemokraten aufgerufen, ihre Stimme abzugeben und damit bundesweit fast jedes dritte Parteimitglied.

Norbert Röttgen besitzt ein klares, aber innerparteilich umstrittenes politisches Profil. Als Umweltminister setzt er auf einen schnellen Ausbau regenerative Energien und nur eine moderate Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken. Auch seine Sympathien für schwarz-grüne Bündnisse verbirgt er nicht. Ein Votum für Röttgen würde deshalb seine Position im Kampf um die Zukunft der Atomenergienutzung stärken und auch die Spekulationen um die schwarz-gelbe Machtoption der Christdemokraten weiter befördern.

Zwar galt auch Armin Laschet bislang als christdemokratischer Modernisierer, er war der bundesweit erste Integrationsminister und galt bundespolitisch eher als Mitstreiter Röttgens. Doch nun hat er in Düsseldorf einen Pakt mit dem Sozialpolitiker Laumann und dem Konservativen Krautscheid geschlossen.

Das Duell um die Macht an Rhein und Ruhr wird in der Öffentlichkeit also vor allem als Richtungsauseinandersetzung wahrgenommen werden. Der Öko-Christdemokrat Röttgen aus Berlin fordert die schwarze landespolitische Troika heraus, der Modernisierer versucht sich gegen die Konservativen zu behaupten. Beim Machtkampf um den Landesvorsitz in Nordrhein-Westfalen steht für die Partei insgesamt viel auf dem Spiel.

 

 

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