Politik : CDU-Parteispendenprozess: Wallmann rückt von Kanther ab

Christoph Schmidt Lunau[Wiesbaden]

Zwei Jahrzehnte lang haben Manfred Kanther und Walter Wallmann die hessische CDU geprägt. Zusammen mit Alfred Dregger machten sie aus dem Honoratiorenverein eine schlagkräftige Partei, die auch in Hessen mehrheitsfähig ist. Doch im Schwurgerichtssaal des Wiesbadener Landgerichts wird die Distanz greifbar, die offenbar stets zwischen den beiden Parteifreunden war. Kanther, zunächst Wallmanns Generalsekretär, später sein Nachfolger im Landesvorsitz, drückt die Anklagebank, weil er 1983 geheimes CDU-Vermögen in die Schweiz schaffen ließ. Wallmann, Vorsitzender von 1982 bis 1991, auf Krücken gestützt, will „unter allen Umständen“ seiner Zeugenpflicht nachkommen. Der Jurist Wallmann vermeidet es auffällig, eine rechtliche Bewertung der Vorgänge vorzunehmen. Anfang 2000 habe er erstmals von dem Auslandsvermögen und von den fingierten Vermächtnissen gehört, im Radio, berichtet der 71-Jährige, der hellwach und präsent wirkt. Der Vorsitzende Richter fragt, ob er sich von seinem früheren Schatzmeister Prinz Wittgenstein und von Kanther getäuscht fühle, weil sie ihm, dem Vorsitzenden, ein Jahrzehnt lang das geheime Vermögen vorenthalten und die Legende von den jüdischen Vermächtnissen aufgetischt hatten. „Mit dieser Frage überfordern sie mich“, sagt Wallmann. Auf hartnäckiges Befragen gibt er allerdings dann doch zu Protokoll, dass nach seiner Auffassung nicht nur der Landeschef, sondern sogar der Landesvorstand insgesamt über das angesparte Vermögen hätte informiert werden müssen. Auch der folgenschwere Beschluss zur Verlagerung ins Ausland sei nicht von den Kompetenzen von Schatzmeister und Generalsekretär abgedeckt gewesen. Die Anklage wertet das Verhalten von Kanther und Co. als Untreue, weil sie den zuständigen Gremien das Vermögen vorenthalten hätten.

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