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CDU-Politiker : Heiner Geißler ist tot

Querdenker, Mahner und oft unbequemer Politiker. Der frühere CDU-Generalsekretär und langjährige Familienminister Heiner Geißler ist im Alter von 87 Jahren gestorben.

Heiner Geißler (1930 - 2017) Foto: Reuters/Alex Domanski
Heiner Geißler (1930 - 2017)Foto: Reuters/Alex Domanski

Der CDU-Politiker Heiner Geißler ist tot. Das teilte sein Sohn Dominik Geißler der "Süddeutschen Zeitung" mit. Er starb im Alter von 87 Jahren. Geißler war von 1977 bis 1989 Generalsekretär der CDU, außerdem mehrere Jahre lang Bundesfamilienminister. 2010 vermittelte er im Konflikt um das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21.

Die CDU würdigte Geißler als "einen der ganz Großen in der CDU". "Er war ein sehr kluger und unbequemer Geist und hat so die CDU angetrieben, sich den Veränderungen in der Welt zu stellen. Das müssen wir heute wieder", schrieb Generalsekretär Peter Tauber auf Facebook. Noch im Juli habe er mit Geißler über die Zukunft Afrikas, eine kluge Migrationspolitik und das Wertefundament der Gesellschaft gesprochen.

Anerkennung über Parteigrenzen hinweg

Kanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel nannte Geißler einen der markantesten Köpfe der Christdemokraten. Er sei "intellektuell herausragend, rhetorisch brillant, streitbar und selbstbewusst" gewesen, erklärte Merkel.

Geißler "war maßgeblich und mit großem Erfolg daran beteiligt, aus der Honorationenpartei CDU eine echte Mitglieder- und Programmpartei zu machen", schrieb Merkel. So sei in seiner Amtszeit das erste Grundsatzprogramm "Freiheit, Solidarität, Gerechtigkeit" beschlossen worden. Auch die eigene Partei habe er nicht mit offenen Worten geschont, wenn er dies für nötig gehalten habe, beispielsweise bei der Durchsetzung der neuen Frauenpolitik der CDU. "Dieses Rückgrat, diese politische Unabhängigkeit bewahrte er sich stets." Auch deshalb habe Geißler über alle Parteigrenzen und politischen Lager hinweg höchste Anerkennung, Vertrauen und Respekt genossen.

Die stellvertretende CDU-Vorsitzende und Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen beklagte einen schmerzhaften Verlust durch den Tod Geißlers. "Als guter Freund meines Vaters war mir Heiner Geißlers Stimme von Jugend an vertraut", sagte die Tochter des früheren niedersächsischen CDU-Ministerpräsidenten Ernst Albrecht, der 2014 verstorben war. Leyen würdigte Geißler als "Vordenker und Modernisierer". Er habe in der Partei früh "dafür geworben, die Interessen von Frauen und Familien mit Leidenschaft zu vertreten".

Julia Klöckner, stellvertretende CDU-Bundestagsvorsitzende, schrieb: "Ein großer Rheinland-Pfälzer, streitbar, klug. Wir trauern um Heiner Geißler, sind in Gedanken bei seinen Angehörigen. Er wird uns fehlen."

Auch Kanzleramtsminister Peter Altmaier würdigte die Verdienste seines Parteifreundes. "Heiner Geißler hat die CDU geprägt: Soziale & ökologische Verantwortung", twitterte Altmaier. Geißlers Vermächtnis werde bleiben.

Mit Heiner Geißler verliere Deutschland einen großen Demokraten "und streitbaren Politiker, der es keinem leicht gemacht hat", twitterte Thomas Oppermann, Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion.

Grünen-Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt dankte Geißler auf Twitter für seinen Einsatz gegen Armut, Ungerechtigkeit und Umweltzerstörung.

Linkspartei-Chefin Katja Kipping schrieb: "Ein Mahner, ein Streitschlichter, ein Humanist, ein Konservativer - einer, den wir alle gerade in diesen Zeiten vermissen werden".

Geißler hatte ein bewegtes politisches Leben. Er gehörte in den siebziger Jahren zu den schärfsten Kritikern der Linken und war von 1977 bis 1989 Generalsekretär der CDU. Im Jahr der Wende kam es zum Bruch mit Kohl. Auslöser war der Streit über die politische Richtung der CDU.

Heiner Geißler
Heiner Geißler hat in seinem Leben viele Posten bekleidet. Er war nicht nur CDU-Generalsekretär, sondern auch Schlichter für die Bahnhofsplanung in Stuttgart. Foto: picture alliance / dpaAlle Bilder anzeigen
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12.09.2017 11:32Heiner Geißler hat in seinem Leben viele Posten bekleidet. Er war nicht nur CDU-Generalsekretär, sondern auch Schlichter für die...

Geißler distanzierte sich immer weiter vom Kurs der CDU, blieb aber stets Mitglied. Für Aufsehen sorgte sein Beitritt zur globalisierungskritischen Organisation Attac im Jahr 2007. (dpa, Tsp)

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