Politik : CDU-Politiker wollen Verzicht von Böhr Streit um Kandidatur in Rheinland-Pfalz

Stephan Lüke[Mainz]

Mit großer Sorge beobachtet der einstige Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, Bernhard Vogel, die neuerlichen Auseinandersetzungen „seiner“ CDU um die Spitzenkandidatur für die Landtagswahlen in zwei Jahren. Er fürchte langfristig negative Folgen, wenn die Partei nicht zur Geschlossenheit finde, sagte er dem Tagesspiegel. Auslöser des Zwistes ist ein Brief an die CDU-Landtagsfraktion, in dem Landes- und Fraktionschef Christoph Böhr aufgefordert wird, 2006 nicht gegen Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) anzutreten. Absender sind die Chefs der drei rheinland-pfälzischen Bezirksverbände: die Bundestagsabgeordneten Joachim Hörster und Peter Rauen sowie der Europaabgeordnete Kurt Lechner.

Als Alternative zu dem seit langem in der Schusslinie stehenden Böhr, dessen Sympathiewerte in jüngsten Umfragen erneut gesunken sind, bringen die Unterzeichner die Ludwigshafener Oberbürgermeisterin Eva Lohse ins Gespräch. Sie sei kompetent, lebensnah, verwaltungserfahren und habe gezeigt, dass sie auch unter schwierigen Bedingungen Wahlen gewinnen könne. Außerdem verfüge sie über „großen Zuspruch in Partei und Bevölkerung“, sagte Lechner dem Tagesspiegel: Böhr habe er nichts vorzuwerfen, er sei nur „für diese Position nicht die optimale Lösung“.

Lohse möchte nur kandidieren, wenn die CDU geschlossen hinter ihr steht. „Eine Kampfabstimmung beim Parteitag ist unbedingt zu vermeiden“, sagt sie. Böhr jedoch lehnt einen Verzicht ab. Zudem spürt die Politikerin den Druck heimischer Parteikollegen. Sie wollten mit „Macht verhindern, dass die SPD ihre einstige Hochburg Ludwigshafen zurückerobern kann", sagen CDU-Insider. Diese Gefahr drohe aber, wenn Lohse „fahnenflüchtig“ werde. Ein Weggang werde „den Ludwigshafenern schwer zu vermitteln sein“, meint auch Vogel. Lohse sei aus „bemerkenswertem Holz geschnitzt“, die Entscheidung liege bei ihr. Das erste Wort aber habe Böhr.

Am 12. November will die CDU auf einem Sonderparteitag ihren Spitzenkandidaten küren. Viele in Rheinland-Pfalz fühlen sich an den „Königsmord“ von 1988 erinnert. Damals setzte sich Hans- Otto Wilhelm per Kampfabstimmung gegen den damaligen Parteichef Vogel durch, der kurz darauf als Ministerpräsident zurücktrat. „Wenn eine Partei so miteinander umgeht, wie sie es damals tat, wird sie es lange schmerzhaft spüren“, sagte Vogel dem Tagesspiegel.

0 Kommentare

Neuester Kommentar