Politik : CDU Rheinhessen will nicht mit Landeschef Böhr antreten

Stephan Lüke[Mainz]

„Das wird eine wunderschöne Posse für Mainz, wie es singt und lacht“, kommentierte in der Nacht zum Samstag ein altgedientes Mitglied der rheinland-pfälzischen CDU die jüngste Entwicklung im Streit um die Spitzenkandidatur für die Landtagswahl 2006. Soeben war die erweiterte Vorstandssitzung des Bezirks Rheinhessen-Pfalz nach turbulenten fünf Stunden mit einem Votum gegen den amtierenden Landes- und Fraktionschef Christoph Böhr zu Ende gegangen. Mit 42 von 48 Stimmen wurde die „Bitte“ verabschiedet, „Christoph Böhr möge sich einer einvernehmlichen Lösung mit einer Spitzenkandidatin Eva Lohse nicht verschließen“. Die Ludwigshafener Oberbürgermeisterin Lohse hatte versprochen, „bis zur letzten Minute für eine einvernehmliche Lösung“ zur Verfügung zu stehen. Die schlägt auf dem Sonderparteitag am 12. November, wenn der CDU-Spitzenkandidat gekürt wird. Böhr wird, so war am Samstag zu hören, nicht kampflos das Feld räumen.

Während Böhr-Gegner von einer „erstaunlich ruhigen Diskussion“ sprachen, verließ rund ein Dutzend CDU-Mitglieder aus Protest gegen die Abstimmung den Saal. „Es ist ein völlig indiskutables Vorgehen, seine eigene Kandidatur vom Rückzug eines Widersachers abhängig zu machen“, schimpfte einer von ihnen.

Während viele eine Spaltung der Partei vorhersagen, will der Vorsitzende des Bezirks Rheinhessen-Pfalz, Kurt Lechner, nichts von „Zerrissenheit“ hören. Der Europaabgeordnete zählt zu Böhrs heftigsten Widersachern. Die Möglichkeit, selbst gegen Böhr anzutreten, wenn Lohse nicht kandidiert, wollte er „nicht völlig ausschließen“. Enttäuscht zeigten sich Ludwigshafener CDU-Mitglieder von Eva Lohse. Viele, an der Spitze Altkanzler Kohl, hatten sie aufgefordert, in Ludwigshafen zu bleiben.

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