Politik : CDU-Spendenaffäre: Erfindungen und Lügen - Seit vorigem November köchelt es in Hessen

Im Finanzskandal der hessischen CDU ist ein Ende der Enthüllungen nicht in Sicht. Immer wieder tauchen neue Informationen auf. Eine Chronologie

29. November: "Der Spiegel" zitiert aus alten Rechenschaftsberichten. Danach sind die "sonstigen Einnahmen" der CDU 1989 und 1991 sprunghaft auf Millionenbeträge gestiegen. Die Partei erklärt dies mit anonymen Vermächtnissen.

3. Januar: In Wiesbaden wird bekannt, dass der frühere CDU-Schatzmeister Prinz Wittgenstein seiner Partei einen 1,5-Millionen-Mark-Kredit gegeben haben soll. Das erweist sich später - wie die Vermächtnisse - als falsche Bezeichnung für die Geldzuflüsse aus Schwarzkonten der CDU in der Schweiz.

14. Januar: Ex-Parteichef Kanther räumt in einer Pressekonferenz ein, 1983 rund acht Millionen Mark der hessischen CDU ins Ausland geschafft zu haben.

30. Januar: CDU-Finanzberater Weyrauch teilt mit, dass die Hessen-CDU 1983 wegen der bevorstehenden Verschärfung des Parteiengesetzes 20,8 Millionen Mark aus Hessen auf Schweizer Treuhandkonten deponiert hat.

8. Februar: Ministerpräsident Koch räumt ein, die Öffentlichkeit belogen zu haben. Er habe noch am 10. Januar wider besseres Wissen die Parteieinnahmen als regulär bezeichnet.

10. März: Die CDU entlässt Generalsekretär Müller wegen falscher Buchungen von 50 000 Mark aus schwarzen Konten.

14. Juli: Die CDU räumt ein, seit Anfang der 80er Jahre vom Süßwarenkonzern Ferrero Barspenden im Gesamtwert von knapp einer Million Mark bekommen und nicht im Rechenschaftsbericht angegeben zu haben.

9. August: Ein interner Bericht Weyrauchs wird bekannt. Danach hat der frühere CDU-Buchhalter Reischmann, der von 1988 bis 1992 rund 2,2 Millionen Mark unterschlagen hatte, auch in der Amtszeit von Koch als Fraktionsvorsitzender 1990/91 Geld veruntreut.

23. August: Der langjährige Kassenprüfer der CDU-Fraktion, Frank Lortz, berichtet, er habe die gesamte Fraktion Ende März 1993 über Unregelmäßigkeiten in den Fraktionsfinanzen informiert. Aus Sicht der Opposition ist Koch damit der Lüge überführt. Er hatte ausgesagt, von der Reischmann-Affäre erst im Mai von Kanther erfahren zu haben.

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