CDU-Vorschlag : Deutsch ins Grundgesetz? Das wäre anti-schwäbisch!

Die CDU und ihr verfassungsrechtliches Bekenntnis zur deutschen Sprache: Helmut Schümann warnt vor unauflösbaren Verwicklungen.

Helmut Schümann

In Hamburg erscheint eine Tageszeitung, die künftig mehr hamburgische Begriffe verwenden möchte. Also wollen sie „Rundstück“ sagen statt „Semmel“, womit ja eigentlich die „Schrippe“ gemeint ist. Auch wird der „Metzger“ künftig wieder „Schlachter“ heißen. Nur bei der angekündigten Umbenennung des Tischlers in den Schreiner, wären die Kollegen gut beraten, vorher doch noch einmal in den Wortatlas der deutschen Umgangssprache zu schauen. Der weist nämlich den Tischler nach Nord- West- und Ostdeutschland aus, wohingegen der Schreiner im Rest der Republik ansässig ist. Lokalchauvinismus für Anfänger.

Womit wir beim latenten Nationalchauvinismus wären, auf den Bundestagspräsident Norbert Lammert anlässliches des CDU-Parteitages hinwies. Beziehungsweise nicht hinwies. Der Wunsch der großen Mehrheit des Parteitages, ein Bekenntnis zur deutschen Sprache im Grundgesetz zu verankern, habe eben nichts mit eben diesem latenten Nationalchauvinismus zu tun. Man muss erwähnen, dass dieser Antrag gegen den Willen der Parteiführung formuliert wurde, die hat möglicherweise im Moment anderes zu tun. Nur für Herrn Lammert und zur Vervollständigung: Latent kommt aus dem Lateinischen und bedeutet eingedeutscht versteckt oder verborgen. Chauvinismus: Tja, den kriegen wir jetzt nicht grundgesetzlich übersetzt, der leitet sich von Nicolas Chauvin ab, einem Rekruten in der Armee von Napoleon Bonaparte und nicht weniger als 17-mal verletzt.

Der Verfassungszusatz soll lauten: „Die Sprache in der Bundesrepublik ist Deutsch.“ Ja, und was sagt der Schwabe dazu? Oder noch schlimmer, was sagt der sprachlich gleich doppelt gezeichnete Cem Özdemir dazu? Andererseits kann man tagtäglich in den Bundestagsprotokollen nachlesen, wie wichtig eine Verankerung der Sprache Deutsch in der Verfassung wäre, vielleicht würde sich der eine oder die andere Abgeordnete dann auch mal etwas verfassungskonformer ausdrücken. Und was machen wir mit den Balearen? „Die Sprache auf Mallorca ist Deutsch“, das muss dann aber auch in den Artikel 22 des Grundgesetzes, in dem Berlin als Hauptstadt festgeschrieben ist, und es im Absatz 2 heißt „Die Bundesflagge ist schwarz-rot-gold.“ Beides festgelegt.

Sprache ist Wandel. Manchmal kommt das Telefon hinzu oder der Döner. Es gibt natürlich Gebiete in Deutschland, in denen das Deutsch nach germanischen Ursprüngen klingt. Das zeigt, dass die deutsche Sprache immer schon da war, auch lange vor dem Grundgesetz, zumindest latent, irgendwie latent.

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