Politik : CDU: Was Verona Feldbusch hilft, kann der Union nicht schaden

Robert von Rimscha

Der Ansporn ist klar. Falls die Union im Herbst 2002 gewinnt, bekommt McCann-Erickson 25 Prozent Siegprämie. Die CDU, die sich am Dienstag auf McCann-Erickson als Werbeagentur für den Kampf gegen Gerhard Schröder festlegte, will vor allem einen erfolgreichen und professionellen Wahlkampf. Da soll die Agentur weitere Pleiten wie das Renten-Plakat mit dem Fahndungsfoto vom Kanzler verhindern.

Bei der Präsentation der Allianz stimmten zumindest die Begrifflichkeiten. McCann-Erickson ist natürlich nicht die Werbe-, sondern die "Kreativ"-Agentur der CDU. Geladen wurde nicht zur ersten Sitzung, sondern zum Premieren-"Meeting". Ort des Geschehens: die Kultur-Brauerei in Prenzlauer Berg.

Eher nebenbei definierte CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer, der Unglücksrabe im Renten-Plakat-Desaster, jene Marge, die als Sieg reicht. Die Unions-Fraktion als stärkste im Bundestag: Dieses Ziel gibt auch Parteichefin Angela Merkel aus. Den Kanzler abzusägen, das klänge etwas zu vermessen. Stärkste Partei werden - dies würde nur jenen Normalzustand wieder herstellen, in dem die Union in allen bis auf zwei Legislaturperioden lebte.

139 Konkurrenten hat McCann-Erickson, nach eigenen Angaben mit 23 Milliarden Dollar Welt-Umsatz der Marktführer, aus dem Feld geschlagen. Merkel, Geschäftsführer Willi Hausmann und Meyer trafen die Auswahl. Im Frühjahr war Merkel mit einer Anzeige auf die Suche nach einem Werbepartner gegangen. Diese zeigte Merkels Konterfei in grimmiger Prinz-Eisenherz-Pose, den Slogan "Machen Sie mehr aus Ihrem Typ" und die Zielvorgabe einer "Erneuerung unseres Landes".

Die CDU gesellt sich damit Microsoft und Super-Illu, Coca-Cola und Opel, Nestle und der Deutschen Bank zu, alles Kunden bei McCann-Erickson. Durchschlagende Erfolge der CDU liegen ja bereits ein wenig zurück. Der jüngste Triumph von McCann-Erickson ist dem Fernsehvolk noch in saftig-grüner Erinnerung: Für Verona Feldbuschs Spinat-Besingen erntete die Agentur eine Auszeichnung.

Die Werbe-Chefs wollen den "Markenkern der CDU wiederbeleben". Politisch, so Meyer, heißt das: Wirtschaftskompetenz. Den Etat dafür wollte er aber nicht beziffern. Insgesamt sind 26 der 40 Millionen Mark für Öffentlichkeitsarbeit im Wahlkampf vorgesehen. Immerhin ist klar, dass nach dem Wegfall der Zugabeverordnung ganz neue Paarungen denkbar sind. CDU und Langnese, auch ein Objekt der Agentur: Hitzig errungene Stimmen und kühlende Erfrischung bald im Doppelpack?

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