Politik : CDU will Fall Oettinger beerdigen

Bundesarchiv veröffentlicht Filbingers Aufnahmeantrag für die NSDAP

-

Berlin - Auch nach der Distanzierung des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Günther Oettinger (CDU) von eigenen Äußerungen über seinen Vorgänger Hans Filbinger kommt die CDU nicht zur Ruhe. Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm griff Bundeskanzlerin Angela Merkel wegen ihrer öffentlichen Kritik an Oettinger scharf an. Die Bekanntgabe ihres Telefonats mit dem Ministerpräsidenten sei „in der Sache schädlich“ gewesen, sagte Schönbohm der „Leipziger Volkszeitung“: „Unsere Leute wollen sehen, ob wir auch noch zusammenstehen, wenn uns der Wind einmal stark ins Gesicht weht.“ Am Dienstag schob Schönbohm nach, er halte die Auseinandersetzung für beendet.

Die CDU-Führung wies Schönbohms Kritik zurück. „Es ist bedauerlich, dass Herr Schönbohm das so sieht“, sagte ein Parteisprecher. Das CDU-Präsidium stehe geschlossen hinter dem Vorgehen Merkels. Oettinger hatte am Montag die Äußerung zurückgenommen, der frühere Marinerichter Hans Filbinger sei ein Gegner des Nazi-Regimes gewesen. Am Dienstag demonstrierten Merkel und Oettinger bei einem Auftritt in Stuttgart Einigkeit. Oettinger sagte: „Wir haben keine Krise.“ Nach einer Umfrage für den Südwestrundfunk halten drei von vier Baden-Württembergern Oettinger für beschädigt.

Das Bundesarchiv legte einen NSDAP- Mitgliedsantrag Filbingers von 1937 sowie eine Mitgliedskarte vor. Archivleiter Hans-Dieter Kreikamp sagte in der ARD, es sei „nach den vorliegenden Zeugnissen sehr unwahrscheinlich“, dass Filbinger NS-Gegner gewesen sei. Nach Kreikamps Worten deuteten die Akten darauf hin, dass es keinen späteren Austritt Filbingers aus der Partei gegeben habe. Oettinger hatte in seiner Trauerrede gesagt: „Filbinger war kein Nationalsozialist.“ Tsp

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben