Ceta : Kanadas Handelsministerin

Chrystia Freeland hat mit viel auch persönlichem Engagement für das Freihandelsabkommen gekämpft. Ein kleines Porträt

von
Chrystia Freeland
Chrystia FreelandFoto: REUTERS

Dass man die Namen kanadischer Handelsminister nennen kann, war nicht immer so, und dass das in ihrem Fall anders ist, ist ein Umstand, auf den Chrystia Freeland sicher gern verzichten würde. Denn der Grund für ihre Bekanntheit ist das wahrscheinliche oder auch Doch-nicht-Scheitern des Freihandelsabkommens Ceta, für das sie auf kanadischer Seite kämpft.
Freeland hat über Monate hinweg viel Energie eingesetzt und persönliches Engagement gezeigt, um das europäisch-kanadische Handelsabkommen in Europa zustimmungsfähig zu bekommen, auf dass es an diesem Donnerstag feierlich unterzeichnet werden könnte. Umso enttäuschter reagierte sie auf das Nein aus Wallonien und die darauf folgende Hängepartie. Aufgegeben wurde aber noch nicht: Kanadas Premier Justin Trudeau wird nach Regierungsangaben am Donnerstag auf jeden Fall in Brüssel sein. „Kanada ist bereit, jetzt zu unterschreiben“, sagte Chrystia Freeland. „Der Ball liegt in Europas Feld.“

Sie hat ukrainische Wurzeln

Mit der dramatischen Entwicklung um Ceta hat Chrystia Freeland in Europa einen Bekanntheitsgrad erreicht, wie ihn kein anderes Mitglied der seit einem Jahr amtierenden Regierung von Justin Trudeau in Europa hat, abgesehen vom Premierminister selbst. Freeland war erst wenige Wochen im Amt, als sie – so wird kolportiert – in einer US-Talkshow als „Premierminister für internationalen Handel“ bezeichnet wurde. Das war ein Versprecher, es zeigt aber Freelands Bedeutung im Kabinett von Justin Trudeau.
An ihm liegt es auch, dass die 48-Jährige überhaupt in die Politik gegangen ist. Trudeau bemühte sich monatelang, sie für eine Kandidatur für das Bundesparlament zu gewinnen. Das war 2013, als ein Wahlkreis in Toronto in einer Nachwahl neu zu besetzen war. Freeland zögerte. Sie lebte damals in New York und arbeitete als Korrespondentin für Thomson-Reuters. Sie war sich unsicher, ob sie Familie – sie hat drei Kinder zwischen sechs und 14 Jahren – und Politik vereinbaren könnte. Aber am Ende ließ sie sich von Trudeau überzeugen. Im Herbst 2013 wurde sie erstmals ins Bundesparlament gewählt.

Bevor sie in die Politik ging, arbeitete sie als Journalistin

Ihre Großeltern mütterlicherseits stammen aus der Ukraine und flohen über Deutschland nach Kanada. Ihre Mutter Halyna wurde in einem Flüchtlingslager in Westdeutschland geboren. Freelands Eltern waren Juristen, die an der Universität von Alberta studiert haben. Als Austauschstudentin der Harvard-Universität kam Chrystia Freeland im Frühjahr 1989 nach Kiew, wo eine Begegnung mit dem „New York Times“- Reporter Bill Keller in ihr den Berufswunsch Journalistin weckte. Sie war dann als freie Mitarbeiterin für viele namhafte Zeitungen tätig und machte sich auch als Buchautorin einen Namen. Sie spricht neben den beiden offiziellen Sprachen Kanadas, Englisch und Französisch, auch Ukrainisch und Russisch.

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