Politik : Chaotischer Abgesang bei den Grauen Mitglieder entscheiden nun über Parteiauflösung

Bettina Grönewald (dpa

Wuppertal - Der Sonderparteitag der Grauen tagte in bizarrer Kulisse: Unter bunt glitzernden Karnevalsgirlanden eines kleinen Vereinslokals in Wuppertal leiteten die einst so wehrhaften Senioren- Politiker am Samstag ihr Ende ein. Während sich draußen der Sturm „Emma“ gerade wieder beruhigte, kochten drinnen die Gemüter hoch. Die „Partei-Panther“ gingen vor und hinter verschlossenen Türen erregt aufeinander los.

Vor dem Tagungsraum gifteten Mitglieder der aus dem Senioren-Schutzbund Graue Panther hervorgegangenen Partei gegen den Bundesvorstand, weil sie nicht eingelassen wurden. Der Vorstand hingegen behauptete, die Ausgesperrten seien bereits ausgeschlossen, schmückten sich teils zu Unrecht mit Parteiämtern und hätten Hausverbot auf dem Gelände der Wuppertaler Parteizentrale.

Schon bei der Frage, ob die „Querulanten“ vor der Tür wenigstens als Gäste ohne Stimmberechtigung eingelassen werden sollen, brachen zwischen den zerstrittenen Landesverbänden hitzige Grabenkämpfe um das Demokratieverständnis der Grauen auf. Dies setzte sich beim Streit um das Für und Wider der Auflösung fort. Ein mutmaßlicher Spendenbetrug hat dazu geführt, dass die Partei eine Millionensumme an den Bundestag zurückzahlen soll – Millionen, die sie nicht in der Parteikasse hat.

Es hagelte reichlich Kritik an der Parteitagsführung. Ein Antrag auf geheime Abstimmung wurde bei der alles entscheidenden Frage um die Auflösung abgeschmettert. Viele Redner beschwerten sich, nicht zu Wort zu kommen. „Sind wir hier im Kaspertheater?“, schimpfte ein erboster Delegierter. „Sie haben die Übersicht verloren!“, wetterte ein anderer Richtung Parteitagspräsidium.

Als oberster Panther in der Arena schnaubte der Vizevorsitzende Manfred Albrecht immer wieder ins Mikrofon: „Wir haben keine Alternative zur Auflösung.“ Selbst der Versuch, die Parteifinanzen über den Jackpot beim Lottospielen ins Lot zu bringen, sei gescheitert, witzelte der 54-Jährige. Und während er erst noch mit Rücktritt drohte, beteuerte er kurz vor der Abstimmung: „Ich verlasse kein sinkendes Schiff.“

Genau das haben in den vergangenen Wochen aber zahlreiche Bundesvorstandsmitglieder bereits getan – der erste Vorsitzende inklusive. Ein öffentlichkeitswirksames Gesicht, wie das ihrer Gründerin Trude Unruh, haben die Grauen seit langem nicht mehr. Die einst so kämpferische Chef-Pantherin verfolgte die beginnende Auflösung ihres Lebenswerks meist schweigsam auf den hintersten Plätzen des Lokals. Ob ihre Grauen nun wirklich aufgelöst werden, müssen bis zum 17. März die 3300 Mitglieder entscheiden. Per Urabstimmung. Bettina Grönewald (dpa)

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