Politik : Charismatisch und eigensinnig

Martin Gehlen

Er versteht sich nicht als Widersacher Roms oder einsamer Kirchenrebell. Von Trubel um seine Person hält er nichts. Eine offizielle Geburtstagsfeier wird es deshalb nicht geben, wenn am heutigen Samstag Franz Kamphaus, der charismatische und eigensinnige Limburger Bischof, seinen 70. Geburtstag begeht. Der Jubilar ist zum Langlauf-Urlaub in Österreich, um sich von den zurückliegenden anstrengenden Wochen zu erholen. Denn der Konflikt mit Rom um die Schwangerschaftsberatung schwelt weiter. Zwar hat der gebürtige Westfale vor einem Jahr der vatikanischen Kurie abtrotzen können, als einziger deutscher Oberhirte weitere zwölf Monate im staatlichen Beratungssystem bleiben zu können. Aber das Signal aus Rom damals war klar: Am 31. Dezember 2001 ist endgültig Schluss.

Inzwischen ist dieser Termin verstrichen. Über die Erfahrungen seiner Diözese hat Kamphaus im Vatikan "einen eindrucksvollen Bericht" vorgelegt, wie selbst die römischen Stellen zugeben. Dort will man wohl einen offenen Konflikt vermeiden und sucht nach einer Lösung, die keine neue Krise mit der deutschen Kirche heraufbeschwört. Anfang Januar war Kamphaus zu Gesprächen in Rom. Im Februar sollen weitere Treffen folgen. Möglich wäre, dass am Ende zwar kein Rücktritt steht, der Papst dem Limburger Bischof aber einen "Hilfsbischof mit besonderen Vollmachten" zur Seite stellt. Dieser müsste dann den vom Vatikan verlangten Austritt der Diözese aus der staatlichen Schwangerenberatung vollziehen. Dazu jedoch müsste sich erst einmal ein Kleriker finden, der zu einer solchen Aufgabe bereit wäre. Kamphaus dagegen gibt sich weiterhin kämpferisch. Er erwarte von seinen Gesprächen mit Rom eine "Entscheidung für die Frauen, die mit ihrer Schwangerschaft in Konflikt geraten sind, und vor allem für ihre Kinder".

Dazu gründete er bereits 1998 die Limburger "Aktion Konfliktberatung" mit dem Motto "Wir lassen euch nicht allein". Alle elf Beratungsstellen seines Bistums hat Kamphaus seither mehrfach besucht, mit den Mitarbeiterinnen sowie mit vielen Frauen in Schwangerschaftskonflikten gesprochen. In diesen Begegnungen, schrieb Kamphaus in einem Hirtenwort, seien ihm die Augen aufgegangen. "Selten habe ich so unmittelbar erlebt, was es heißt, sitzengelassen zu sein, allein sehen zu müssen, wo man bleibt und wie man durchkommt."

Der hartnäckige Kleriker wuchs als Bauernsohn im westfälischen Lüdinghausen auf. Sein Bischofsstab ist aus einem Türpfosten des elterlichen Kuhstalls geschnitzt. 1959 wurde er zum Priester geweiht. Er war Professor für Predigtlehre und seit 1973 Leiter des Priesterseminars in Münster, bevor ihn Papst Johannes Paul II. 1982 zum Bischof von Limburg ernannte. Seither steht er an der Spitze des Bistums, das rund 733 000 Katholiken zählt. Es umfasst eher ländliche Regionen, aber auch das Rhein-Main-Gebiet mit der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden und der Metropole Frankfurt.

Kamphaus selbst, Autor zahlreicher Bücher und ein glänzender Prediger, lebt in Limburg in einer kleinen Drei-Zimmer-Wohnung. Teile seines Bischofsgehaltes gibt er weg, seinen bescheidenen Dienstwagen fährt er selbst. "Ich bin Gott dankbar, dass ich geboren bin und auch nach 70 Jahren noch leben darf", sagt der Bischof, der jeden Tag um fünf Uhr mit einer langen Meditation beginnt. Lust, sich zur Ruhe zu setzen, habe er keine. "Ich habe noch viel vor, so lange Gott mir die Jahre schenkt."

0 Kommentare

Neuester Kommentar