Charles Taylor : Ex-Diktator verbringt Rest seines Lebens im Gefängnis
30.05.2012 17:53 UhrDas schriftliche Urteil übertraf mit 2499 Seiten bei Weitem alle ähnlichen Entscheidungen internationaler Gerichte. Und am Mittwoch verhängten die Richter im niederländischen Den Haag auch noch eine der längsten Haftstrafen, des Tribunals: 50 Jahre Gefängnis.
Erst im April hatten sie den ehemaligen liberianischen Diktator schuldig gesprochen. Vom Strafmaß, das sie nun verkündeten, werden die Jahre, die er seit seiner Festnahme in Untersuchungshaft verbracht hatte, abgezogen. Für Taylor bedeuten die 50 Jahre aber ohnehin lebenslänglich. Er habe einige der „hasserfülltesten Verbrechen der Menschheitsgeschichte“ verantwortet, erklärte Richter Richard Lussick die Entscheidung.
Taylor nahm sie mit geschlossenen Augen hin.
In ihrem Urteil von April hatten die Richter Taylor einstimmig verurteilt, Beihilfe für Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen im benachbarten Sierra Leone geleistet zu haben. Während des Krieges in den 1990ern waren dort etwa 120 000 Menschen getötet worden, Rebellengruppen hatten gemordet, vergewaltigt, die Zivilbevölkerung verstümmelt und Kinder zum Dienst als Soldaten gezwungen. Taylor, sagten die Richter, habe die Rebellentruppen mit Waffen, Finanzen und Infrastruktur, aber auch moralisch unterstützt, obwohl er von den Grausamkeiten gewusst hatte. Die Anklage hatte dafür 80 Jahre Haft gefordert.
Der Bürgerkrieg in Sierra Leone - worum ging es da? Und welche Rolle spielte der Liberianer Taylor?
Jedoch hatten die Richter Taylor weder als Hauptverantwortlichen noch als Mitglied eines verbrecherischen Unternehmens für schuldig befunden, sondern nur für Beihilfe. Die weitverbreitete Ansicht, dass Taylor den gesamten Bürgerkrieg in Sierra Leone dirigiert hatte, bestätigten sie damit nicht. Das habe die Anklage mit ihren Zeugen nicht nachweisen können.


















