Chat-Nachlese : Sigmar Gabriel: "Oskar Lafontaine ist ein SPD-Hasser"

Sigmar Gabriel hat sich eine Stunde lang den Fragen und der Kritik unserer User gestellt, und die wollten vor allem über die Linke, Lafontaine und die Piratenpartei reden. Nur einer hatte ein anderes Interesse und jetzt vielleicht einen neuen Job.

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SPD-Chef Sigmar Gabriel stellte sich der Kritik und den Fragen der Tagesspiegel-Leser im Chat.
SPD-Chef Sigmar Gabriel stellte sich der Kritik und den Fragen der Tagesspiegel-Leser im Chat.Foto: dapd

Für manche kann ein Chat mit Sigmar Gabriel zur großen Chance werden. Zum Beispiel für unseren Tagesspiegel.de-User „almansour“. Der wollte vom SPD-Chef wissen, warum die SPD derzeit keinen prominenten Popmusikbeauftragten hat? Gabriel, der diese Funktion selbst mal inne hatte, nutzt den Steilpass: „Wenn Sie Zeit und Lust haben, melden Sie sich. Zu tun gibt es angesichts der Piraten-Ideen zur Abschaffung des Urheberrechts da eine ganze Menge.“ Almansour stünde bereit – doch er warnt: „Mein Faible geht eher in Richtung rumänische Volksmusik und Lautareasca als zu deutschem HipHop, Schlager und Pop.“

Zugegeben, der kleine Pop-Diskurs war nur ein Randdebatte. Das Thema Piratenpartei beschäftigte unsere Leser aber durchaus. Eine Stunde stellte sich Sigmar Gabriel am Donnerstag den Fragen und der Kritik der Tagesspiegel-Leser auf unserer Internetseite. Und viele wollten wissen, wie die SPD denn nun mit den Piraten umgehen wollen, vor allem aber, wie die SPD selbst für Transparenz und Beteiligung sorgen will.

Gabriel, der am Mittwochabend auf einer Wahlkampfveranstaltung in Schleswig-Holstein erneut eine Urwahl des SPD-Kanzlerkandidaten ins Spiel gebracht hatte, verwies im Chat auf diese Beteiligungsformen. "Inzwischen machen wir Urwahlen bei unseren Spitzenkandidaturen, manche beteiligen daran auch Nicht-SPD-Mitglieder", antwortet Gabriel unseren Lesern.

Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel vor seinem Rechner, bei der Debatte mit den Leserinnen und Lesern von Tagesspiegel.de.
Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel vor seinem Rechner, bei der Debatte mit den Leserinnen und Lesern von Tagesspiegel.de.Foto: Christian Tretbar

Er verweist darauf, dass Jugendlichkeit kein Phänomen der Piraten sei. „Wir merken es ja an den Eintritten in die SPD: im ersten Quartal 2012 war es zu etwa 50 Prozent Menschen im Alter von unter 35 Jahren.“

Hier noch einmal das Einladungsvideo von Sigmar Gabriel zum Chat:

Video
SPD-Chef Sigmar Gabriel von 12 bis 13 Uhr im Live-Chat auf www.tagesspiegel.de.
SPD-Chef im Chat

Natürlich spielten auch inhaltliche Fragen wie der Mindestlohn, die Benzinpreise oder auch die Israel-Politik eine Rolle. Wichtiges Thema war zudem die Euro-Krise. "Natürlich müssen wir Schulden abbauen, aber eine reine Sparpolitik führt - wie wir gerade sehen - zu mehr und nicht zu weniger Schulden", sagt Gabriel im Chat.

Stilfragen bestimmten die Debatte ebenso mit. So wollte User „maksas“ wissen, warum in der Politik so häufig der Begriff „Kampf“ benutzt werde. Gabriel: "In der Politik geht es gelegentlich (Gott sei Dank) auch emotional zu. Wir sind keine ’kalten Fische’ (oder sollten es nicht sein). Und deshalb sind unsere Begrifflichkeiten in Reden eben nicht immer nur ’sachlich’. Ich geb' zu: prinzipiell finde ich auch, dass das so bleiben sollte."

Und bei einem wird Sigmar Gabriels Begrifflichkeit deutlich: Oskar Lafontaine. Viele User wollten wissen, wie Gabriel in Zukunft mit der Linkspartei und Lafontaine umzugehen. "Die Linkspartei besteht in Wahrheit aus zwei Parteien: aus pragmatischen Ost-Linken und Sektierern aus dem Westen. So lange wir nicht wissen, welche dieser Parteien eigentlich die Politik der Linkspartei bestimmt, können wir mit der Linkspartei nicht koalieren“, antwortet Gabriel und schiebt nach: "Was Oskar angeht: der ist zu einem SPD-Hasser geworden. Wie sollen wir mit ihm gemeinsam regieren???"

Wir danken an dieser Stelle allen unseren Leserinnen und Lesern, die am Chat mit Sigmar Gabriel teilgenommen haben. Die Zeit war natürlich begrenzt und verging wie im Flug, deshalb konnten auch nicht alle Fragen beantwortet und nicht auf jede Kritik reagiert werden, aber Sigmar Gabriel hat schnell geschrieben, viele Themen diskutiert und Sie, liebe Leserinnen und Leser, haben am Ende dieses Artikels weiter die Möglichkeit, über das Gesagte zu diskutieren. Viel Spaß dabei, Ihre Online-Redaktion!

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