Politik : Chef der UN-Mission in Afghanistan tritt ab

Der Norweger Kai Eide stand wegen des Umgangs mit Wahlfälschungen in der Kritik

Kabul - Der Chef der UN-Mission in Afghanistan, Kai Eide, will sein Mandat nicht verlängern. Eide werde nach Ablauf seiner zweijährigen Mission im März kommenden Jahres nicht länger bleiben, teilte ein Sprecher der Vereinten Nationen am Freitag in Kabul mit. Der Sprecher betonte, dass es sich nicht um einen Rücktritt handele.

Den Angaben zufolge bat der norwegische Diplomat UN-Generalsekretär Ban Ki Moon, mit der Suche nach einem Nachfolger zu beginnen. Eide habe von Anfang an ein Zwei-Jahres-Mandat gehabt, betonte der UN-Sprecher. Nach der afghanischen Präsidentschaftswahl im August hatte sich Eide der Vorwürfe seines damaligen Stellvertreters Peter Galbraith erwehren müssen, wonach er das Ausmaß des Wahlbetrugs verschleiern wollte. Unter Berufung auf Angaben von EU-Beobachtern hatte Galbraith geäußert, dass möglicherweise ein Drittel der Stimmen für den amtierenden Präsidenten Hamid Karsai gefälscht waren. Seinem Vorgesetzten warf er vor, diese Erkenntnisse bewusst zurückgehalten zu haben.

Ban hatte Galbraith Ende September seines Postens enthoben. Karsai wurde von seiner Wahlbehörde Anfang November zum Wahlsieger erklärt und am 19. November in Anwesenheit unter anderem von US-Außenministerin Hillary Clinton und Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) für ein weiteres Mandat vereidigt.

Der politische Analyst Nasrullah Staniksai sagte der Nachrichtenagentur AFP, Eide sei mit seiner Mission gescheitert und nicht länger zu halten. Karsai kümmere sich nicht um Eides Ratschläge für die Zusammensetzung seines Kabinetts, die US-Botschaft höre nicht auf ihn. Außerdem sei der Norweger außerstande, „seine eigene UN-Mission zu koordinieren“.

Unterdessen entschied Kroatien, keine zusätzlichen Soldaten für die Nato-geführte Schutztruppe Isaf nach Afghanistan bereitzustellen. Das entschied das Parlament fast einstimmig am Freitag in Zagreb. Auch weiterhin sollen höchstens 300 Soldaten gestellt werden. Zurzeit hat Kroatien 293 Soldaten im Einsatz. Das Land ist seit vergangenem Frühjahr Nato-Mitglied.

Die USA hatten in der vergangenen Woche ihre Verbündeten dazu aufgerufen, ihre Truppen in Afghanistan aufstocken, und diese haben schon 7000 neue Soldaten angeboten. Kroatiens Staatsspitze verweist aber darauf, dass das Land schon jetzt an diversen Friedensmissionen beteiligt ist, und sieht keine Möglichkeiten für die Entsendung weiterer Soldaten, wie Medien in Zagreb berichteten. AFP/dpa

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