Politik : Chère Angela

Bei seiner ersten Auslandsreise als Präsident macht „Speedy Sarko“ in Berlin seinem Spitznamen alle Ehre

Albrecht Meier

Berlin - Vielleicht wird er ja noch zum Markenzeichen der Beziehung zwischen Nicolas Sarkozy und Angela Merkel, der Wangenkuss, mit dem die Kanzlerin Frankreichs neuen Präsidenten am Mittwochabend im Ehrenhof des Kanzleramts begrüßte. An der zweiten Geste des Abends müssen die beiden möglicherweise noch etwas arbeiten. Sarkozy legte, ganz im Zeichen der deutsch-französischen Freundschaft, seinen linken Arm auf die Schulter der Kanzlerin. Als Merkel und Sarkozy den Ehrenhof verließen, erwiderte die Kanzlerin die Geste – freilich weniger zupackend als Frankreichs Staatschef.

Mit Sarkozy hat Merkel nun ein neues Gegenüber in den deutsch-französischen Beziehungen. Dort haben politische Gesten in den vergangenen Jahrzehnten immer eine große Rolle gespielt. Als Jacques Chirac in den letzten Wochen seiner Amtszeit noch einmal zum Abschied nach Berlin kam, verzichtete der scheidende Präsident natürlich nicht auf den galanten Handkuss. Also konnte man gespannt sein, wie Chiracs Nachfolger und die Kanzlerin beim Antrittsbesuch des neuen Präsidenten ihre Verbundenheit zeigen würden.

Merkel kennt Sarkozy durch die gemeinsame Arbeit in der Europäischen Volkspartei. Sie begrüßte den neuen Amtsinhaber im Elysée-Palast mit den Worten „Herr Präsident, lieber Nicolas“. „Liebe Angela (chère Angela), ich setze großes Vertrauen in dich“, lautete die freundliche Antwort Sarkozys, der die deutsch-französische Freundschaft als „heilig“ bezeichnete.

Noch am Mittag hatte Sarkozy, frisch ins Amt eingeführt, der Menge im halboffenen Wagen auf den Pariser Champs-Elysées zugewinkt. Dass er nur wenige Stunden später die Kanzlerin im Kanzleramt besuchte, war ein deutliches Signal Richtung Berlin. Seit dem „Nein“ der Franzosen zur EU-Verfassung vor zwei Jahren hat sich zwischen den beiden Hauptstädten allerdings auch ziemlich viel Arbeit aufgetürmt. „Dann wollen wir auch gleich mit dem Arbeiten beginnen“, sagte die Kanzlerin, bevor sie sich mit ihrem Gast zu einem ersten Gespräch und einem anschließenden Abendessen zurückzog.

Als vordringlichste gemeinsame Aufgabe gilt für Deutschland und Frankreich die Suche nach einem Ausweg aus der europäischen Verfassungskrise. Statt der gescheiterten EU-Verfassung schlägt Sarkozy einen „vereinfachten Vertrag“ vor. Unklar ist bislang, ob sich ein abgespecktes Dokument à la Sarkozy tatsächlich mit dem Wunsch der EU-Ratsvorsitzenden Merkel deckt, möglichst viel von der Substanz der EU-Verfassung zu retten, die bei Referenden in Frankreich und den Niederlanden durchgefallen war.

In Berlin ließ Sarkozy keinen Zweifel daran, dass die Arbeit an einer neuen Version der Verfassung für ihn entscheidend ist. Es müsse „dringend gehandelt werden, um Europa aus der Lähmung zu befreien“, sagte er. Ein Sprecher des Staatschefs sagte, dass Sarkozy die Kanzlerin bei ihren Konsultationen mit den einzelnen EU-Mitgliedstaaten unterstützen könne.

Überraschend ging „Speedy Sarko“ in Berlin auch auf das europäische Raum- und Luftfahrtunternehmen EADS ein. Während des Wahlkampfs hatte der quirlige Kandidat den Plan zur Sanierung der EADS-Tochter Airbus infrage gestellt. In Berlin forderte der frisch ernannte Präsident nun, Paris und Berlin dürften „nicht eine Minute“ verlieren, wenn es um Themen von gemeinsamem Interesse gehe.

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