Chile : Pinochet auf dem Weg der Besserung

Der am Herzen operierte ehemalige chilenische Militärmachthaber Augusto Pinochet befindet sich nach Angaben seiner Ärzte auf dem Weg der Besserung. Die akute Gefahr, dass er sterben könnte, bestehe aber weiterhin.

Santiago de Chile - Der Chef des Kardiologenteams am Militärkrankenhaus von Santiago de Chile, Juan Vergara, teilte mit, der 91-Jährige schwebe nicht mehr in unmittelbarer Lebensgefahr. Pinochets älteste Tochter Lucía Pinochet Hiriart reagierte erleichtert auf die Ankündigung von der Verbesserung des Gesundheitszustand ihres Vaters. "Es ist fast ein Wunder", sagte sie.

Pinochets Ehefrau, seine fünf Kinder und die Enkelkinder schöpften wieder Mut, fügte Pinochet Hiriart hinzu. Sie dankte zugleich der kleinen Gruppe von Pinochet-Anhängern, die sich vor dem Krankenhaus versammelte, seit der frühere Diktator dort in der Nacht zum Sonntag eingeliefert worden war. Die Anhänger riefen Slogans für ihr Idol, sangen die chilenische Nationalhymne und das von Pinochet geliebte mexikanische Lied "Der König".

Laut Vergara war Pinochet bei Bewusstsein und konnte mit Besuchern reden. Der Erzbischof von Santiago, Kardinal Francisco Javier Errázuriz sagte Reportern, Pinochet habe ihn erkannt und ein wenig mit ihm gesprochen, als er ihn im Krankenhaus besucht habe. Weitere Besucher waren rechtsgerichtete Oppositionsabgeordnete sowie Heereschef Oscar Izurieta. Dieser traf am Montag mit der chilenischen Staatspräsidentin Michelle Bachelet zusammen. Die seit März amtierende Sozialistin, deren Vater an den Folgen der Folter unter der Militärjunta starb, hatte im Wahlkampf und erneut im August erklärt, ein Staatsbegräbnis für Pinochet würde ihr widerstreben, weil dieser nicht nur schwere Menschenrechtsverletzungen begangen, sondern auch öffentliche Gelder unterschlagen habe.

Hausarrest aufgehoben

Den gegen Pinochet verhängten Hausarrest hatte ein Gericht in Santiago am Montag gegen Zahlung einer Kaution von umgerechnet 1350 Euro aufgehoben. In der Verhandlung deutete die Staatsanwaltschaft an, dass Pinochets die Verteidigung die gesundheitliche Krise ihres Mandaten übertreiben könnte. "Es überrascht mich, dass (Pinochet) sich in weniger als 24 Stunden so gut erholt hat", sagte ein Anwalt der Anklage, Hugo Gutiérrez. Die Gegenseite wies den Vorwurf als "infam" zurück.

Pinochet war Ende November im Zusammenhang mit Ermittlungen im Fall der "Todeskarawane" erneut unter Hausarrest gestellt worden. Die chilenische Justiz ermittelt konkret wegen der Verschleppung und der Ermordung zweier Sicherheitsleute des sozialistischen Präsidenten Salvador Allende, den Pinochet im September 1973 in einem Militärputsch gestürzt hatte. Militär und Polizei töteten während der bis zu Pinochets Rücktritt 1990 dauernden Gewaltherrschaft laut Schätzungen mehr als 3000 Menschen. Laut einem offiziellen Bericht wurden bis zu 30.000 Pinochet-Gegner eingesperrt und gefoltert, unter ihnen auch Bachelet und ihre Mutter. (tso/AFP)

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