Politik : China baut schnellen Brüter – mit Hilfe von Hanau

Pekinger Wissenschaftler legt erstmals Pläne für Einsatz der deutschen Atomfabrik offen / Grüner: Export nicht genehmigen

H. Maass/H. Monath/A. Sirleschtov

Peking/Berlin. China will mit der Hanauer Atomfabrik Brennelemente für Schnelle-Brüter-Reaktoren herstellen. Sollte Deutschland dem Verkauf zustimmen, werde die Fabrik komplett in China wieder aufgebaut und für die Herstellung von Mischoxid-Brennelementen (Mox) eingesetzt, sagte Chefingenieur Xu Mi vom Chinesischen Institut für Atomenergie (CIAE) dem Tagesspiegel.

Der Atomexperte, der nach eigenen Angaben das Geschäft mit Siemens eingeleitet hat, legte damit erstmals Pekings Pläne für den Einsatz der Atomfabrik offen. Bisher hatte die Regierung nur allgemein von einer „zivilen Nutzung" gesprochen. Die Fabrik, die Siemens für 50 Millionen Euro an China verkaufen will, werde nahe der Stadt Lanzhou im Nordwesten des Landes wieder aufgebaut. Mit der Produktion der Mox-Brennstäbe, in denen Plutonium mit Uran vermengt wird, solle spätestens 2012 begonnen werden. Chinas Ziel sei es, die Schnelle-Brüter-Technik in den kommenden Jahren auszubauen.

Für die Kritiker des Hanau-Exportes ist diese Äußerung des chinesischen Atomexperten der entscheidende Hinweis darauf, dass die Siemens-Anlage oder zumindest deren Technologie doch zur Herstellung von waffenfähigem Plutonium benutzt werden soll. „Wenn diese Aussage sich bestätigt, kann die Bundesregierung den Export nicht genehmigen“, sagte der stellvertretende Fraktionschef der Grünen, Winfried Nachtwei, dem Tagesspiegel. Bislang sei als Verwendungszweck stets der Einsatz im Rahmen von Leichtwasser-Reaktoren genannt worden.

Der Grünen-Abgeordnete Winfried Hermann bezeichnete Äußerungen von Bundeskanzler Gerhard Schröder, bei der Prüfung einer Exportgenehmigung gehe Gründlichkeit vor Schnelligkeit, als „sehr gute Nachricht“. Er rechne mit einer Entscheidung „nicht mehr vor Ostern“. Nach einem Treffen mit dem Sondergesandten der chinesischen Regierung, Dai Bingguoxy, hatte Schröder am Freitag in Berlin nach Angaben eines Regierungssprechers gesagt, bei der Genehmigung gebe es keinen Zeitdruck. Eine militärische Nutzung der Hanauer Anlage sei ausgeschlossen, erklärte indes der chinesische Experte Xu Mi. Als Mitglied der Internationalen Atomenergiebehörde sei China offen für internationale Überwachung. Zweifel in Deutschland an der Sicherheit wies Xu als unbegründet zurück. Bei der Entwicklung des Forschungsreaktors lege China dieselben Sicherheitsanforderungen an wie Europa und die USA.

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