China : Blick hinter die Große Firewall

Mit den Olympischen Spielen rückt China ins Zentrum der Weltöffentlichkeit. Doch die Bericherstattung wird vom Mainstream bestimmt. Hintergrundinformationen gibt es vor allem im Netz. Die interessantesten Weblogs und News-Seiten im Überblick.

Achim Fehrenbach
The Opposite End of China
"The Opposite End of China". -Screenshot: tso

Die Nachrichtenagenturen liefern täglich Dutzende von China-Meldungen. In der vorolympischen Zeit sind es noch einmal sehr viel mehr geworden. Meist handelt es sich dabei jedoch um Einheits-Ware: Zensur, Doping, Terrorbekämpfung, Kuriositäten. Für Informationen abseits des Nachrichten-Mainstream ist kaum Platz. Prominente chinesische Blogger wurden vom Regime in Peking weggesperrt und zensiert. Allerdings gibt es im Netz nach wie vor jede Menge Seiten, deren Betreiber fleißig Informationen aus China sammeln und aufbereiten. tagesspiegel.de stellt einige der besten Blogs und News-Sites vor.

Blogs

China Watchblog
Im März 2008 riefen mehrere bekannte deutsche Blogger diese Seite ins Leben. Thomas Hölzl alias StoiBär beschreibt das Ziel des Watchblogs im Chat mit politik-digital.de folgendermaßen: "Tibet war nur der Tropfen, der das Fass zum Überlauf gebracht hat. Mir liegt gerade der Umweltschutz sehr am Herzen. Immer mehr gentechnisch veränderte Lebensmittel aus dem Land der Mitte kommen bei uns in den Handel. Dazu dann der Kapitalismus in Reinkultur, der unseren westlichen Wirtschaftbossen gerade recht kommt." Ein breites Spektrum politischer Themen also. Zur Verstärkung haben sich die Watchblogger Mitte Juli auch noch Henning Hünteler ins Boot geholt. Der Physiker arbeitet in Peking an der Umsetzung des Kyoto-Klimaschutzprotokolls. Hünteler selbst betreibt das Blog "Living in China".

China in the News
Das Blog beschreibt sich selbst als "Presseschau zu Artikel rund um Chinas Wirtschaft, Kultur und Politik in ausgewählten internationalen Publikationen". Zusammengestellt werden die Artikel unter anderem von c't- und Spiegel-Autor Stefan Krempl. Das Blog ist eine wahre Fundgrube - die Einträge reichen bis Januar 2003 zurück. Die Themen sind breit gefächert: von Spionage-Vorwürfen über Internet-Zensur bis hin zu Veranstaltungen in Deutschland mit China-Bezug und Foto-Wettbewerben zum Thema "China". Neben aktuellen Nachrichten bietet die Seite eine ausführliche Liste mit Links auf andere China-Blogs.

Ping Pong in Peking
Der Tagesspiegel hat die beiden Redakteure Jens Mühling (32, Feuilleton) und Benedikt Voigt (38, Sport) nach Peking geschickt. Von dort bloggen sie unter china.tagesspiegel.de und schreiben regelmäßig Artikel. Ihr Ziel: "Wir möchten in diesem Blog etwas von der Atmosphäre vermitteln, die Chinas Hauptstadt - und mit ihr das ganze Land - zum derzeit wohl spannendsten Ort der Welt machen." Ihre amüsanten Blog-Einträge beschreiben alltägliche Beobachtungen in Peking - von der Eigendynamik des Straßenverkehrs übers Essen bis zu vergeblichen Propaganda-Mühen.

The Opposite End of China
Die Eigenbeschreibung dieses Blogs klingt abenteuerlich: Es berichtet aus "Xinjiang und Nordwestchina (mit vielen Fotos, Videos und Kommentaren) aus einem sicheren Kontrollraum, der unter dem Sand der Taklamakan-Wüste verborgen ist, nicht weit entfernt von der reichen 'Oilopolis' Korla." Blog-Betreiber Michael stammt aus den USA und bietet einen unterhaltsamen Mix aus politischen Themen (z. B. Terrorismus in China), Youtube-Videos (z. B. "Pole Dancing" als neuer chinesischer Breitensport), Fotos und persönlichen Erlebnissen (z. B. mit dem Visa-Antrag).

Nachrichten aus China

China Observer
Laut Eigenbeschreibung "eine Nachrichtenseite, die die sich ausschließlich mit China und Themen, die entsprechend relevant zu China sind, beschäftigt. Die Redaktion gehört keiner Partei, keiner politischen Richtung, keiner Organisation oder sonstigen politischen, wirtschaftlichen oder religiösen Gruppen an." Allerdings hatten die Betreiber Probleme mit China. Ursprünglich lief die Seite unter der Domain xinhua.de - "Xinhua" ist aber auch der Name der staatlichen chinesischen Nachrichtenagentur. Da es in China Probleme für Kontaktpersonen von xinhua.de gab, wurde die Seite schließlich in "China Observer" umbenannt. Die Themen sind breit gestreut: von einem Porträt der chinesischen Tageszeitung "Global Times" über Reise-Infos hin zu Nachrichten über verhaftete Dissidenten.

Danwei
Das chinesische Wort "Danwei" bedeutet so etwas wie "Mini-Arbeitsgemeinschaft". Entsprechend aktiv sind die Betreiber dieser News-Seite. Business und Medien, Boulevard-Themen und Politik - all das findet auf danwei.org Platz. Auch wenn der Schwerpunkt auf der boomenden chinesischen (Internet-) Wirtschaft liegt, gibt es in der rechten Spalte Rubriken wie "Censorship", "Corruption" oder "Freedom of Expression". Das internationale Autoren-Team liefert nicht nur Texte, sondern auch Videos und Audio-Podcasts. Eine der umfangreichsten Info-Seiten über China im Netz.

China Blog
Ein Gemeinschaftsblog mehrerer erfahrener Auslandskorrespondenten für das US-amerikanische Time Magazine. Die fünf Reporter sitzen in Peking, Schanghai und Hong Kong. Die aktuellen Postings drehen sich fast ausschließlich um die Olympischen Spiele - die Themen sind Umweltverschmutzung, Terrorismus und der Umgang Chinas mit ausländischen Medien. Das recht textlastige Blog wird hier und da mit Youtube-Videos aufgelockert.

Menschenrechte

The China Debate
Als China sich um die Olympischen Spiele 2008 bewarb, versprachen die chinesischen Behörden, im Fall einer Vergabe an ihr Land die Menschenrechtslage zu verbessern. Am 17. Juli 2008 startete die Menschenrechtsorganisation Amnesty International das Diskussionsforum "The China Debate". Und will damit der Frage nachgehen, ob China sein Versprechen hält. User diskutieren zu den Themen "Unterdrückung von Aktivisten", "Haft ohne Verurteilung", "Zensur" und "Todesstrafe".

Human Rights in China (HRIC)
Diese Nicht-Regierungsorganisation wurde im März 1989 von chinesischen Studenten und Wissenschaftlern gegründet. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, internationale Menschenrechte zu fördern und deren Schutz in China zu stärken. Auf der Internet-Seite gibt es neben einem "Menschenrechts-Ticker" auch die komplette Zeitschrift "China Rights Forum" als pdf-Download. Bereits 2003 startete HRIC seine Kampagne "Incorporating Responsibility 2008". Auf der Seite www.ir2008.org werden chinesische Menschenrechtler, Journalisten etc. vorgestellt, die von den Behörden inhaftiert wurden und für die man sich einsetzen kann.

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